"Intimer als Sex": Menschen übers Nacktsein in einer Beziehung

Manche fühlen sich nur ohne Kleidung wirklich frei. Andere haben einfach keine Klimaanlage.

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Juli 16 2018, 8:41am

Foto: StockSnap | Pixabay | CC0

Alleine nackt abhängen hat viel Gutes: wie sich frische Bettwäsche an der Haut anfühlt, zum Beispiel, oder dass du beim Netflix-Schauen alle Snacks deiner Wahl verdrücken kannst, ohne Flecken auf dein Shirt zu kriegen. Und dabei musst du dir nicht einmal Gedanken darüber machen, ob du irgendwie attraktiv aussiehst – schließlich sieht dich niemand.

Anders ist es, wenn du in einer Beziehung bist und den Großteil deines Alltags mit einer anderen Person teilst. Ist ungezwungene Nacktheit automatisch sexuell konnotiert, wenn du mit dem Menschen, vor dem du dich ausziehst, auch schläfst? Oder ist zusammen nackt sein eher ein Anzeichen dafür, dass ein Paar sich besonders nahesteht? Wir haben mit acht Menschen über nackte Haut, Selbstbewusstsein und Freiheit gesprochen und festgestellt: Die Meinungen zum Thema sind ebenso vielfältig wie der unverhüllte menschliche Körper.

Leah, 23

Ich bin ziemlich oft in der Gegenwart meines Partners nackt. Ich finde, das hat etwas Besonderes, weil man so entspannt und vertraut mit dem Körper des anderen ist, dass man über die Nacktheit nicht viel nachdenken muss. Aber ich fühle mich allgemein in vielen Situationen auch ohne Kleidung wohl.

Für mich tut das der Anziehungskraft beim Sex keinen Abbruch. Ich finde es ziemlich cool, dass man ohne groß zu überlegen vom normalen Nacktsein zu einer sexuellen Situation übergehen kann.

Brandon*, 28

Es gibt nichts Besseres, als mit dem Partner oder der Partnerin nackt einen Joint zu rauchen. Sich vor Freunden umziehen, ist auch kein Problem, oder sich gegenseitig mit Nacktheit verarschen. Natürlich nur, solange das für alle in Ordnung ist. Aufzwingen sollte man es niemandem.

Sara, 28

Früher hatte ich Angst davor, in nicht-sexuellen Situationen vor meinem Partner nackt zu sein – dabei bin ich unter platonischen Freundinnen und Freunden eine regelrechte Nudistin. Meine Sorge war, dass mein Partner etwas Unattraktives oder etwas "zu Echtes" an meinem Körper sehen könnte und mich dann sexuell nicht mehr attraktiv findet.

Inzwischen bin ich darüber hinweg. Hauptsächlich, weil meine letzten Partner dafür gesorgt haben, dass ich mich mit meinem Körper wohl fühle, auch wenn ich keine Modelmaße habe. Inzwischen bin ich ganz entspannt nackt vor meinen Partnern, auch in nicht-sexuellen Situationen. Manche überrascht das, die meisten ziehen dann aber einfach ebenfalls blank.

Als ich das erste Mal vor einer meiner Liebschaften nackt war, während ich den Haushalt gemacht habe, dachte er erst, dass ich eine Exhibitionistin bin. Danach hing er häufiger nackt bei mir rum. Neulich kam ich morgens ins Wohnzimmer und er machte dort nackt seine Dehnübungen. Mein Einfluss!


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Lisa*, 22

Ich bin ständig nackt vor meinem Partner, weil ich keine Klimaanlage habe. Für die Person, mit der man zusammen ist, ist das anfangs wahrscheinlich noch ziemlich spannend. Für mich ist es aber einfach normal. Manchmal vergesse ich sogar, dass ich nichts anhabe und öffne nackt die Wohnungstür.

Sydney, 24

Wenn ich in sexuellen Situationen nackt bin, fühle ich mich attraktiv und denke nicht weiter über vermeintliche Unzulänglichkeiten nach. Aber wenn ich mich umziehe oder nach einem langen Tag in die Dusche steige, empfinde ich das ganz anders. Das mag nur Einbildung sein, aber ich fühle mich in so einer Situation auf eine Art beobachtet und bewertet, die beim Sex unmöglich ist. Es ist schön, wenn ich mich in der Gegenwart meines Partners fallen lassen kann, aber nach einem langen Tag fühle ich mich aufgequollen und eklig, und das tötet die Sexyness ein bisschen.

Sasha*, 23

Ich bin nicht häufig einfach so nackt vor Partnern, aber andererseits hatte ich noch nie eine ernste oder langfristige Beziehung. Wahrscheinlich würde ich mich erst dann in ganz alltäglichen Situationen nackt zeigen, nachdem ich mit der Person Sex hatte. Beim Sex wird erwartet, dass man nackt ist, deswegen kann sich Nacktheit in anderen Situationen noch intimer anfühlen.

Mir ist es teilweise sogar unangenehm, nach dem Sex nackt neben meine Partner zu schlafen. Dann bestehe ich darauf, ein T-Shirt anzuziehen. Nicht, weil ich ihm nicht vertraute oder so, ich bin so was einfach nicht gewohnt. Ich bin ganz allgemein keine Person, die ständig zu Hause nackt ist. Ich würde auch dann nicht nackt ein Buch lesen, wenn ich alleine bin.

Trotzdem finde ich es schön, wenn man sich in seinem Körper so wohlfühlt, dass man mit jemand anderem so rumhängen kann. Ich hoffe wirklich, dass ich irgendwann mal an dem Punkt bin.

Amy, 27

Mein Freund und ich sind zu Hause eigentlich fast immer nackt. Wir wohnen inzwischen ganz offiziell zusammen, haben aber eigentlich auch davor schon ständig zusammen in seiner Wohnung gelebt. Neulich habe ich mich gefragt, ob diese ständige Nacktheit sich irgendwie auf unser Sexleben auswirkt. Ich wollte von ihm wissen, ob es weniger besonders für ihn sei, mich beim Sex nackt zu sehen, wenn ich doch ständig nackt bin. Er sagte, es sei sogar andersrum – dass wir so oft nackt sind, bedeute, dass wir uns beim Sex wohler miteinander fühlen.

Ich habe ihn auch gefragt, wie er psychisch die eine Art Situation von der anderen unterscheidet. Er sagte: "Wenn jemand nicht versteht, ob der Partner oder die Partnerin gerade sexuell sein möchte oder nicht, dann hat diese Person größere Probleme als die Frage, ob nackt rumhängen klargeht."

Jeremiah, 24

Ich bin ständig nackt vor meinem Freund. Ich fühle mich wohl und sicher. Das ist eine Möglichkeit, frei zu sein und nicht sexualisiert zu werden. In einer Beziehung ist es was anderes, weil ich weiß, dass der anderen meinen Körper liebt, wie er ist.

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*Name geändert