All Screengrabs via Youth, Interrupted

Wie ich gelernt habe, für das Leben meiner transsexuellen Tochter zu kämpfen

Als meine transsexuelle Tochter in der Vorschule von ihrer Lehrerin diskriminiert wurde, begriff ich: Wenn ich mich nicht für sie einsetze, tut es niemand.

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20 April 2017, 7:57am

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"Es ist ein Junge!"

Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, war ich mir nicht sicher, ob ich eine gute Mutter sein würde. Ich habe mich in der Schwangerschaft selbst schlecht gemacht und als mein Kind schließlich auf der Welt war, wurde es nur noch schlimmer. Ich hatte Probleme mit meiner neuen Rolle als Mutter, insbesondere nachdem 17 Monate später mein zweiter Sohn geboren wurde. Wie die meisten frischgebackenen Eltern habe ich viele weise Ratschläge von Familie und Freunden bekommen – Ratschläge, die ich oft nicht angenommen habe, wodurch ich zu einer Art Außenseiter wurde.

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Dennoch habe ich die ersten Jahre ziemlich gut gemeistert. Obwohl ich dachte, dass ich die schlimmste Mutter aller Zeiten werden würde, habe ich es irgendwie geschafft, meiner Rolle gerecht zu werden. Ich fühlte mich unbesiegbar. Ich war erwachsen geworden und stellte mich nicht allzu schlecht an. Es gab nichts, womit ich nicht klar kam oder was ich nicht verstand – und wenn ich mal ich vor neuen Herausforderungen stand, musste ich in der Regel nur ein wenig nachforschen und wurde schon nach kurzer Zeit ein echter Experte.

Doch das Leben birgt immer wieder Überraschungen, die einen zurück auf den Boden bringen.

In meinem Fall war das der Moment, in dem mein ältestes Kind mit einem Brief von seiner Lehrerin aus der Vorschule nach Hause kam. Darin stand: "Sie müssen Ihrem Sohn sagen, dass er KEIN MÄDCHEN ist! Danke."

Ich verstand das alles nicht: Warum würde sich mein dreijähriges Kind nicht als Junge sehen? Das war 2007, als noch nicht besonders viel über transsexuelle Kinder gesprochen wurde und es daher auch keine Quellen gab, die mir hätten helfen können. Tatsächlich drehte sich jeder Artikel und jede Webseite, die ich fand, um Teenager und Erwachsene. Ich hatte nichts.

Meine Welt war in einen unbekannten Nebel gehüllt. Doch das Schlimmste war, dass sich mein kleines Kind immer weiter zurückzuziehen begann. Mein Mann und ich gaben unseren Kindern zu Hause nicht vor, womit sie spielen durften und womit nicht. Doch die Spielsachen und Verkleidungen, mit denen sie sonst so gerne gespielt hatte, bereiteten ihr einfach keine Freude mehr. Es hatte sich alles verändert und mein Kind hörte auf, glücklich zu sein.

Sie hörte einfach auf zu existieren.

In den Elterngesprächen der Vorschule ging es nicht mehr länger darum, welche schulischen Ziele sie erreichen sollte. Stattdessen wurden wir von Psychologen darauf aufmerksam gemacht, dass wir die "Geschlechtsverwirrung" unseres Kindes "beheben" sollten. Die Lehrerin brachte ihre eigenen Bedenken über die plötzliche Abschottung, die Zurückgezogenheit und die augenscheinliche Depression meines dreieinhalbjährigen Kindes zum Ausdruck. Sie stellten mir Fragen, die ich ihnen nicht beantworten konnte und alles, woran ich denke konnte, war, dass ich mit einem Fachmann sprechen musste.

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Zu behaupten, dass der erste Therapeut, bei dem wir waren, nicht besonders hilfreich war, wäre eine blanke Untertreibung. Ich brach in Tränen aus, als er uns anstarrte und meinem Mann vorwarf: "Ihr Kind ist so, weil es zu viel Zeit mit seiner Mutter verbringt und Sie nicht genug männliche Aktivitäten mit ihm unternehmen."

Mein Mann stellte umgehend klar, dass unser zweites Kind keine Schwierigkeiten mit seiner Identität hatte. Doch alles, was ich hörte, war, dass es meine Schuld wäre. All meine Sorgen aus der ersten Schwangerschaft – dass ich die schlimmste Mutter aller Zeiten werden würde und so weiter – schienen Wirklichkeit geworden zu sein. Ich würde meinem Kind helfen müssen, damit es wieder "normal" werden würde, wusste aber nicht, wie.

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Doch mit der "Norm" – oder zumindest der Normalität, die uns von unserem Therapeut und der Schule gepredigt wurde – konnten wir unser Kind nicht abholen. Stattdessen sah ich zu, wie sie langsam innerlich zugrunde ging. Sie hörte nicht mehr länger auf ihren Geburtsnamen und begann, ihre Kleidung und ihre Bettwäsche zu zerreißen.

Schließlich kam ich zu der frustrierenden Erkenntnis, dass niemand um sie kämpfen würde, wenn nicht ich. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein Kind transsexuell sein könnte, aber als ich die Erfahrungsberichte im Netz las, wurde mir klar, dass es viele Erwachsene schon als Kind wussten.

"Möchtest du ein glückliches kleines Mädchen oder einen toten kleinen Jungen?", fragte mich ein Therapeut, der auf Transgender spezialisiert war. Mit dieser Frage änderte sich alles. Nach dieser Sitzung gingen mein Mann und ich in einen Laden, um unserem Kind neue Klamotten zu kaufen. Ich wusste noch nicht, wie ich dem Rest der Familie davon erzählen sollte, aber zunächst musste ich mich um mein Kind kümmern. Sie würde in einer Stunde von der Schule nach Hause kommen und ich musste vorbereitet sein – mental wie auch emotional. Ich musste ihr zeigen, dass ich endlich auf mein Herz hörte.

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Auf dem Heimweg fragte ich meinen Mann, wie wir sie nennen sollten. Wir konnten sie schließlich nicht länger mit ihrem Geburtsnamen ansprechen. Ich dachte lange über diese Frage nach, bis es mir schließlich dämmerte: Ich würde ihr den Namen geben, den ich ihr schon vor ihrer Geburt gegeben hatte. Den Namen, den sie eigentlich hätte bekommen sollen. "Wir können sie mit ihrem mittleren Namen ansprechen", sagte ich. "Wir nennen sie Trinity." Es war soweit: Ich breitete die Klamotten sorgfältig auf ihrer Spiderman-Bettwäsche aus. Mehr konnte ich nicht mehr tun. Das war meine letzte Chance, mein Kind zurückzubekommen.

Ich werde diesen Tag niemals vergessen. Auch heute – knapp zehn Jahre später – kann ich mich noch an die Furcht, die Hoffnung und die Zweifel erinnern, die ich verspürt habe, während ich darauf wartete, dass meine vierjährige Tochter aus ihrem Zimmer kam. Doch an eine Sache, kann ich mich noch besonders lebhaft erinnern: das strahlende Lächeln, mit dem sie vor uns stand. Sie trug ein Kleid in Rosa und Braun, das ich für sie ausgesucht hatte und dankte ihrem Vater und mir dafür, dass wir ihr endlich glaubten.

"Danke, dass du mich gerettet hast, Mama", sagte Trinity. Sie dankt mir bis heute noch jeden Tag – manchmal mit Worten oder einfach nur damit, dass sie aufwacht und strahlt. Trinity sagt, dass ich ihr Leben gerettet hätte, aber ich weiß, dass ich einfach nur ihre Mutter bin, die ihr die bedingungslose Liebe geben möchte, die sie verdient. Alles, was zählt, ist, dass sie bei uns ist. Sie ist wunderbar. Sie ist mein glückliches kleines Mädchen.