Narzisstische Psychopathen gehen bevorzugt in die Wirtschaft

Sag Forschern, welches Studienfach du gewählt hast, und sie sagen dir, ob du ein schlechter Mensch bist.

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09 Mai 2017, 8:42am

Photo via Wikipedia

Wer sich in bestimmten Berufsbereichen durchsetzen will, muss unnachgiebig, hart und jederzeit bereit dazu sein, schwierige Entscheidungen zu treffen. Wer mit großen Geldsummen hantiert, hat keine Zeit für "weiche" Qualitäten wie Empathie oder soziale Gerechtigkeit. Das vermitteln uns zumindest Bücher wie American Psycho und Atlas Shrugged – oder der selbsternannte beste "Dealmaker" überhaupt: Donald Trump. Im Jahr 2015 beschrieb er sein Erfolgsgeheimnis gegenüber der amerikanischen Nachrichtenseite Business Insider so: "Es ist ein Geben und Nehmen, aber es geht vor allem um das Nehmen. Du kannst nicht geben, du musst vor allem nehmen."

Eine Frage bleibt beim Bild des skrupellosen Geschäftsmannes (oder der skrupellosen Geschäftsfrau) allerdings offen: Hat das harte Business diese Leute dazu gemacht oder entscheiden sich Menschen mit bestimmten Charaktereigenschaften bewusst für Branchen, in denen nichts wichtiger ist als größtmöglicher Gewinn?

Eine neue Studie legt nahe, dass bescheidene Menschen von der Unternehmenswelt nicht in gierige, manipulative Zyniker verwandelt werden. Die meisten von ihnen waren es schon vorher.

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Forscher dokumentieren schon seit Längerem, welche Auswirkungen Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus (auch bekannt als die Dunkle Triade) auf die Berufswahl haben. Dadurch konnten sie nicht nur zeigen, dass durch Psychopathen "das Maß an Unternehmensverantwortung herabgesetzt wurde" und Machiavellisten dazu neigen, "sich auf den Erhalt ihrer Macht zu konzentrieren und dazu manipulative Verhaltensweisen nutzen". Sie konnten auch beweisen, dass Narzissmus in direktem Zusammenhang mit unethischem Verhalten steht.

Angesichts der ganzen stereotypen Darstellungen von Geschäftsleuten und Firmenanwälten, wollten dänische Forscher nun herausfinden, ob diese Berufsfelder von Menschen mit "dunklen" Persönlichkeitsanteilen bevorzugt werden. Hierzu untersuchten sie die Wahl des Studienfachs im Hinblick auf die Persönlichkeit der Probanden.

An der Studie nahmen 487 Studenten teil, die sich kurz zuvor an einer dänischen Universität eingeschrieben, aber noch nicht mit dem Studium begonnen hatten. Untersucht wurden Studenten der Psychologie und Betriebswirtschaften, sowie der Wirtschafts-, Rechts- und Politikwissenschaften. Die Teilnehmer sollten zunächst einen Fragebogen ausfüllen, um zu ermitteln, wie sie sich selbst in den Hauptdimensionen des Fünf-Faktoren-Modells einschätzten: Aufgeschlossenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Außerdem untersuchten die Forscher, wie ausgeprägt die Merkmale der Dunklen Triade bei ihnen waren.


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Im Rahmen einer vorbereitenden Untersuchung stellte Anna Vedel, die leitende Autorin der aktuellen Studie, bereits fest, dass Studenten in Rechtswissenschaften, Betriebswirtschaft und Wirtschaftswissenschaften weniger umgänglich waren als Studenten mit anderen Hauptfächern. Deswegen überraschte es die Forscher wenig, dass sich die Betriebswirtschafts- und Wirtschaftswissenschaftsstudenten als "die dunkle Gruppe" herauskristallisierten. Alle Merkmalen der Dunklen Triade waren bei ihnen deutlich ausgeprägte als bei Psychologie- und Politikwissenschaftsstudenten. Rechtswissenschaftsstudenten schnitten bei der Untersuchung der Merkmale der Dunklen Triade ebenfalls "deutlich höher" ab als Psychologiestudenten, waren den Politikwissenschaftsstudenten allerdings ähnlicher als erwartet.

Anschließend teilten die Autoren die Daten nach Geschlechtern ein. Dabei stellten sie fest, dass die die Merkmale der Dunklen Triade bei den männlichen Probanden deutlich ausgeprägter waren als bei den weiblichen. Dafür erreichten Frauen höhere Werte bei Neurotizismus, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit. Grundsätzlich schien das Geschlecht durchaus einen Einfluss auf die Ergebnisse zu haben (im Hauptfach Betriebswirtschaft und Wirtschaftswissenschaften gab es beispielsweise grundsätzlich mehr Männer als in Psychologie). Gleichzeitig gab es laut den Forschern unter den Rechtswissenschaftsstudenten mehr Frauen als Männer und die Merkmale der Dunklen Triade waren bei ihnen dennoch ausgeprägter als bei den Psychologiestudenten. Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale spielen also durchaus eine entscheidende Rolle bei der Wahl des Studienfaches.

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"Der Wunsch nach Macht, Status und Geld charakterisieren die Dunkle Triade und könnten bestimmte Persönlichkeitstypen eher in Richtung Wirtschaft, Betriebswirtschaft und Rechtswissenschaften lenken, da diese Studiengänge den Grundstein für eine Karriere in der Unternehmenswelt legen", schreiben die Autoren. "Darüber hinaus wird selbstdienliches Verhalten in der Unternehmenswelt generell belohnt und schafft damit eine Atmosphäre, in der Menschen mit dunklen Persönlichkeitsanteilen ihre Qualitäten nutzen und Erfolg damit haben können."

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Foto: Cage Skidmore | Flickr | CC BY-SA 2.0