Opium, Cannabis, Zaubertränke – wie Frauen früher Regelschmerzen bekämpften

Die Liste der Dinge, die bereits gegen Menstruationsbeschwerden eingesetzt wurden, wirkt zum Teil genauso lang und unangenehm wie die Schmerzen selbst.

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13 Juni 2016, 7:20am

Foto: Nadja Tatar | Flickr | CC BY 2.0

So ungefähr alle 28 Tage fängt rund die Hälfte der Weltbevölkerung für volle fünf Tage an zwischen ihren Beinen zu bluten. Und oftmals wird das Ganze bereits vorab von entsetzlichen Krämpfen angekündigt, die durch das Zusammenziehen der Muskulatur in unserer Gebärmutter entstehen, während die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen wird.

Da die bisherigen geschichtlichen Aufzeichnungen vorwiegend von Männern stammen, gibt es nur wenig Information darüber, wie Frauen in der Vergangenheit mit den Schmerzen während ihrer Periode umgegangen sind. Genau genommen war die Menstruation über viele Jahrhunderte hinweg ein absolutes Tabuthema. Und auch heute noch werden nepalesische Frauen während ihrer Periode von zu Hause verbannt, während viele muslimische Frauen, die ihre Periode haben, weder beten noch fasten dürfen.

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Von der Psychiatrie bis hin zur Arbeitsunfähigkeit

Noch vor nicht allzu langer Zeit wurden Frauen, die sich über ihre Menstruationsbeschwerden beklagt haben, zum Psychiater geschickt, da die Krämpfe als Zeichen dafür betrachtet wurden, dass eine Frau ihre eigene Weiblichkeit ablehnt. In ihrem Buch Liebe Schwestern: Berichte über die Frauenrechtsbewegung haben die beiden feministischen Historikerinnen Rosalyn Baxandall und Linda Gordon über diese Theorie Folgendes notiert: „Eine erwachsene Frau, die Anzeichen von Dysmenorrhö zeigt, lehnt oftmals die Rolle der Frau ab. Jede Periode erinnert sie an die unerfreuliche Tatsache, dass sie eine Frau ist."

Heutzutage ist es nicht mehr so ungewöhnlich, dass sich Frauen bei der Arbeit krank melden, weil sie unter Menstruationsbeschwerden leiden. Das liegt unter anderem auch daran, dass immer mehr Leute erkennen, dass Menstruationsbeschwerden fast so schlimm sein können wie ein Herzinfarkt. Hierzu gibt es unter anderem auch eine Untersuchung, die zeigt, dass eine von zehn Frauen regelmäßig aufgrund von Menstruationsbeschwerden ans Bett gefesselt ist. Zudem bestätigen Studien, dass Frauen mit Regelschmerzen bei der Arbeit weniger leistungsfähig sind.

Because I Got High

Marihuana wird seit jeher im Kampf gegen Regelschmerzen eingesetzt. Laut dem 2002 erschienen Buch Frauen und Cannabis: Medizin, Wissenschaft und Soziologie geht die Verwendung von Gras als Schmerzmittel zurück bis zu den alten Ägyptern. Einer Übersetzung des Papyrus Ebers—Aufzeichnungen alter ägyptischer Medizin—zufolge, wurde Cannabis „mit Honig zermahlen und in die Vagina eingeführt", um „den Uterus zu kühlen und seine Hitze zu bekämpfen". Das deutet darauf hin, dass Cannabis als Mittel gegen Krämpfe eingesetzt wurde. Zudem hat auch Queen Victoria im 19. Jahrhundert von ihrem Arzt Marihuana gegen ihre Menstruationsbeschwerden verschrieben bekommen.

Foto: Alaska Carter | Flickr | CC BY 2.0

Auch heute ist Marihuana als Schmerzmittel leicht erhältlich, sofern man in einem Land lebt, in dem Cannabis bereits legalisiert wurde. Foria beispielsweise ist ein cannabishaltiges Vaginalzäpfchen, das mittlerweile im US-Bundesstaat Kalifornien erhältlich ist. Das Zäpfchen hat die Form eines Tampons und wird einfach in die Vagina eingeführt. Es soll Muskelkrämpfe lösen, ohne dabei zu einem betäubenden Ganzkörper-High zu führen. Auch Whoopi Goldberg hat vor Kurzem eine neue Reihe von Cannabis-Produkten angekündigt—vom Badeschaum bis hin zum Körperbalsam.

Opium für das Volk

Über mehrere Jahrhunderte hinweg war Opium das einzige wirkungsvolle Schmerzmittel, das den Leuten zur Verfügung stand—und oftmals das wichtigste Medikament, das Ärzte in der Tasche mit sich führten. Opium wurde bereits von den alten Ägyptern, den alten Griechen und 800 nach Christus auch von den Benediktinermönchen eingesetzt und wurde als „Pflanze der Freude" und „Geschenk Gottes" verehrt.

Andere Heilpflanzen wie Dong Quai, das in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet wurde, oder Bockshornklee, eine der ältesten Heilpflanzen, die schon im alten Ägypten bekannt war, wurden ebenfalls eingesetzt, um Menstruationsbeschwerden zu lindern. Und wie Forscher einer Studie herausgefunden haben, sollen gemahlene Bockshornkleesamen die Symptome von Dysmenorrhö tatsächlich reduzieren.

Die Vagina-Dampfbäder der Maya

Nach Aussagen von Heilpraktikern sollen die Azteken und die Maya in Zentral- und Südamerika bereits vor vielen Jahrhunderten Vagina- beziehungsweise Yoni-Dampfbäder entwickelt haben, die gegen Mestruationsbeschwerden eingesetzt wurden. Hierbei sollten sich die Frauen auf Schüsseln mit kochendem Wasser und duftenden Kräutern wie Oregano oder Basilikum setzen. Die Mischung aus Dampf und ätherischen Ölen wiederum sollte dann bis in den Gebärmutterhals und den Uterus vordringen und den Menstruationsfluss lösen, wodurch die durch die Menstruation bedingten Schmerzen, das Gefühl des Aufgedunsenseins und die Erschöpfung gelindert werden sollten.

Jede Periode erinnert sie an die unerfreuliche Tatsache, dass sie eine Frau ist.

Es gibt angeblich auch noch andere traditionelle Anwendungen der Maya, die gegen Regelschmerzen helfen sollen—so wie die Bauchmassage, bei der der Masseur versucht, den Uterus durch die externe Massage wieder in die „richtige Position" zu bringen, was Menstruationsbeschwerden angeblich drastisch reduzieren soll.

Auf den Punkt

Die traditionelle chinesische Medizin ist seit dem ersten Jahrhundert vor Christus unter anderem auch dazu übergegangen, Nadeln in Menschen zu stecken—was wohl effektiver war als die Dampfbäder. Eine Peer-Review-Zeitschrift über traditionelle chinesische Medizin soll herausgefunden haben, dass die Stimulation eines bestimmten Akupunkturpunktes am Bein über fünf bis zehn Minuten Regelschmerzen effektiver lindert als Ibuprofen. Forscher aus der traditionellen chinesischen Medizin vermuten, dass dieser Akupunkturpunkt dabei helfen könnte, die Hormone, die für die Regelschmerzen und PMS verantwortlich sind, wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Hilfe vom schlafenden Propheten

Rizinusöl wurde bereits im alten Ägypten, China, Persien, Afrika, Griechenland und Rom zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Bekannt wurde es jedoch erst durch den Mystiker Edgar Cayce (alias „Der schlafende Prophet") im 18. Jahrhundert. Er setzte Rizinusöl ein, um die Leber zu entgiften und Unannehmlichkeiten während der Menstruation zu kurieren.

Cayce wurde vor allem dadurch bekannt, dass er versuchte, die Reinkarnation zu theoretisieren oder die Zukunft voraussagte, während er in Trance war. Besonders kontrovers war sein Glaube an den Polygenismus—also daran, dass die Menschheit von fünf verschiedenen menschlichen Rassen abstammt, die zeitgleich, jedoch räumlich getrennt voneinander, auf verschiedenen Teilen der Erde geschaffen wurden. Diese Theorie ist übrigens ebenso unbewiesen wie die Wirksamkeit seiner Rizinusölkur.

Zaubertränke und Pillen

Weidenrinde, aus der unter anderem Aspirin gewonnen wird, wurde bereits von Hippokrates im fünften Jahrhundert vor Christus gegen alle möglichen Schmerzen eingesetzt. Und schon bevor es verlässliche Mediziner gab, haben viktorianische Frauen mit verschiedenen chemischen Aufbereitungen herumexperimentiert. In den 1850er-Jahren wurde der kanadischen First Lady Isabella Macdonald Berichten zufolge ein blutstillender Balsam gegen ihre Menstruationskrämpfe verschrieben, welcher unter anderem Schwefelsäure und Terpentin enthielt.

Im 19. Jahrhundert waren in Nordamerika der pflaumenblättrige Schneeball und Trauben-Silberkerze sehr beliebt. Letzteres wurde als aktiver Wirkstoff in einem der meist verkauften Medikamente eingesetzt: Lydia Pinkhams Pflanzenmischung—ein Medikament von Frauen für Frauen, das insbesondere gegen „Frauenbeschwerden" helfen sollte und ab 1876 erhältlich war.

Eine Schachtel von Lydia Pinkhams Pflanzenmischung. Foto: Magicpiano | Wikimedia Commons | GFDL

Interessanterweise war dies jedoch lediglich der Beginn des zielgruppenspezifischen Marketings und hatte nur wenig mit „speziell entwickelten" Medikamenten zu tun. Auch bei modernen Medikamenten gegen „Frauenbeschwerden" wie Aleve Feminax und anderen frei erhältlichen Mitteln unterscheiden sich die schmerzstillenden Inhaltsstoffe oftmals nicht im Geringsten—sie werden meist nur anders verpackt und vermarktet.

Nichtsdestotrotz gibt es eine Pille, die bewiesenermaßen gegen Regelschmerzen hilft: die Antibabypille, die in den USA 1957 von der FDA zunächst als Medikament gegen schwere Menstruationsbeschwerden zugelassen wurde.

Oder man wird seinen Uterus einfach los

Und das extremste Mittel gegen Regelschmerzen? Der Botaniker David Stuart schrieb, dass ein amerikanischer Mediziner 1872 tatsächlich vorschlug, die Eierstöcke operativ zu entfernen, um Abhilfe gegen Menstruationsbeschwerden zu schaffen. Bei einer Ablation hingegen wird die Gebärmutterschleimhaut entfernt—eine Methode, die seit den 1980er-Jahren verfügbar ist.

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Vielleicht lassen sich Regelschmerzen aber auch bald schon einfach abschalten. Livia ist ein Gerät, das verspricht, Regelschmerzen auf Knopfdruck ein Ende zu setzen. Vor Kurzem hat die Crowdfundingkampagne sein Ziel auf Indiegogo erreicht.

Zugegeben, es liegt noch ein weiter Weg vor uns, bevor wirklich Schluss ist mit den zum Teil unerträglich scheinenden Schmerzen und dem Stigma, das der Menstruation noch immer anhaftet. Doch nachdem immer mehr Leute anfangen, offen über ihre Menstruation zu sprechen, machen wir zumindest schon mal einen großen Schritt weg von Verbannungen und Psychiatrieeinweisungen


Titelfoto: Nadja Tatar | Flickr | CC BY 2.0