49 Dinge, die du tun kannst, um die Welt für dicke Menschen besser zu machen

Als Erstes kannst du dich direkt mal fragen, warum "dick" etwas Negatives sein soll.

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Juli 20 2018, 8:25am

Foto: renepfister | Pixabay | CC0

Hey, hast du Lust, ein guter Mensch zu sein? Super, dann lass uns doch mal über Diskriminierung von dicken Menschen sprechen. Lass uns eine bessere Welt schaffen, in der niemand für seine Figur verurteilt wird.

Du machst dich nicht aktiv über dicke Menschen lustig, und du findest Melissa McCarthy gut? Cool, aber das reicht nicht. Diskriminierung von Dicken ist tief in unserer Gesellschaft verankert. Sie ist in unseren Alltag eingebaut, in unsere Kleidung, unsere Gesundheitsversorgung, in unsere Unterhaltung. All das zu verlernen und einen Platz für alle Menschen zu schaffen, braucht viel mehr Einsatz. Hier sind 49 Wege, wie du dazu beitragen kannst.

1. Komm mit dem Wort "dick" klar. Wir Dicken geben uns selbst viele Bezeichnungen. Manche bezeichnen sich lieber als "mollig", "kurvig" oder sagen, dass sie "etwas mehr auf den Rippen" haben. Andere von uns haben kein Problem damit, sich selbst als "fett" zu bezeichnen oder nennen sich eben "dick" – und zwar nicht, um uns selbst runterzumachen.

2. Wenn jemand sich in deiner Gegenwart "dick" nennt, musst du ihr nicht widersprechen. Frag dich lieber, warum dieses Wort für dich so negativ belegt ist.

3. Ziehe in Betracht, dass wir unseren Körper vielleicht sogar mögen. Ja, im Ernst. Stell dir mal vor.

4. Verstehe, dass Diäten nicht funktionieren und das Produkt einer kapitalistischen Gesellschaft sind, die Body-Shaming betreibt. Mehr als 95 Prozent aller Menschen, die durch Diäten abnehmen, haben das Gewicht innerhalb von fünf Jahren wieder drauf. Wenn Diäten funktionieren würden, könnte sich die Diätindustrie nicht über Wasser halten.

5. Lerne, welchen Schaden der Jo-Jo-Effekt dem Körper zufügt. Er schadet mehr, als einfach sein Gewicht zu halten.


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6. HÖR AUF, ÜBER DEINE DIÄT ZU SPRECHEN. Wenn du abnehmen willst, ist das OK, mach dein Ding. Aber verstehe, wie schädlich es ist, wenn wir dauernd hören, wie inakzeptabel unsere eigene Figur angeblich ist.

7. Hör vor allem auf, bei Mahlzeiten über deine Diät zu sprechen. Es kann Jahre dauern, sich von Schamgefühlen im Zusammenhang mit Essen zu lösen. Wenn du die ganze Zeit von "verbotenen" Lebensmitteln oder "Schummeln" sprichst, kann das sehr viel Negatives auslösen.

8. Halte dich selbst davon ab, einer dicken Person ungefragt Abnehm-Ratschläge zu geben. Selbst wenn du meinst, dass das hilfreich ist, und selbst wenn du mit der Person verwandt bist. LASS ES.

9. Nenn dich selbst nicht "fett", wenn du eine Figur hast, die von den meisten als schlank oder durchschnittlich angesehen wird. "Ich fühle mich heute so fett" ist nicht dasselbe, wie jeden Tag einen dicken Körper zu haben.

10. Wenn du einer dicken Person ein Kompliment für ihr Outfit machst, dann sag nicht, es würde ihr "schmeicheln". Das heißt so viel wie: "Deine Kleidung versteckt die Körperpartien, die unsere Gesellschaft nicht mag." Sag einfach, die Person sehe großartig aus!

11. Pass auf, dass deine Reaktionen auf dicke Menschen nicht mitleidig rüberkommen. Wir brauchen dein Mitleid nicht. Wir brauchen Akzeptanz und deine Hilfe dabei, andere dünne Menschen mit an Bord zu holen.

12. Fetischisiere keine dicken Körper. Erwarte nicht, dass dicke Menschen dankbar sind, nur weil du uns vögeln würdest. Wir sind Menschen.

13. Du solltest uns auch nicht jegliche Sexualität absprechen. Dicke Menschen sind auch heiß und haben tollen Sex, danke der Nachfrage. Wenn du ein Problem damit hast, sagt das mehr über dich, als über uns.

14. Sieh ein, dass auch dicke Frauen belästigt und sexualisiert angegriffen werden. Selbst wenn dicke Körper dich nicht anmachen: Bei sexualisierten Übergriffen geht es um Macht, nicht um Anziehung. Oft haben dicke Frauen noch größere Angst als andere, dass man ihnen nicht glaubt, wenn sie von einem Übergriff erzählen.

15. Vergiss nicht, dass nicht nur dünne Menschen Essstörungen haben können.

16. Verstehe, dass "dick" und "ungesund" nicht dasselbe sind.

17. Hör auf, das Gewicht anderer unter dem Vorwand zu kommentieren, du seist "besorgt" um ihre Gesundheit. Bist du mein Arzt oder meine Ärztin? Nein? Dann braucht es deine Meinung hierzu auch nicht.

18. Setze niemals deinen Partner oder deine Partnerin unter Druck, dass sie abnehmen sollen. Wenn du an die körperliche Selbstbestimmung deiner besseren Hälfte glaubst, dann sollte das auch die Figur miteinschließen.

19. Wenn es dir so wichtig ist, was andere Menschen essen, dann kannst du ja spenden und Kampagnen unterstützen, die dafür sorgen, dass arme Menschen nahrhaftes, bezahlbares Essen bekommen.

20. Denke kritisch über Informationen nach, die man dir zum Thema "Übergewicht" gibt. Recherchiere, wer das Material verbreitet und was diese Personen eventuell davon haben könnten.

21. Informiere dich über den Umgang der Medizin mit dicken Körpern. Um nur ein Beispiel von vielen zu nennen, werden dicken Menschen regelmäßig Nierentransplantate vorenthalten, wenn sie nicht abnehmen. Und das obwohl die Erfolgsrate bei dicken Menschen genauso hoch ist wie bei dünnen. Wei Ärztinnen und Ärzte oft in erster Linie unser Gewicht sehen, kommt es außerdem immer wieder zu Fehldiagnosen.

22. Wo du schon dabei bist, lies nach, warum der BMI (Body-Mass-Index) inzwischen als irreführend und unzureichendes Maß für körperliche Gesundheit gilt.

23. Wenn du Medizin praktizierst: Hör auf, Abnehmen als Lösung für alles Mögliche anzubieten. "Du bist depressiv? Nimm doch ab. Du hast Sodbrennen? Probier es doch mal mit einer Diät! Gebrochener Zeh? Vielleicht weniger Fastfood essen!" Das ist lächerlich. Hör auf damit.

24. Lerne, Menschen zu kritisieren, ohne dich auf ihr Gewicht zu beziehen. Es gibt genug Gründe, Leute wie Trump zu kritisieren, ohne ihren Körper da mit reinzuziehen. Witze über Trumps Gewicht tun nicht ihm weh, sondern den normalen, netten dicken Menschen.

25. Achte darauf, dich mit allen dicken Menschen zu solidarisieren – nicht nur mit kleinen dicken Menschen, nicht nur mit Weißen dicken Menschen und nicht nur mit dicken Menschen ohne Behinderungen.

26. Sieh ein, dass dünne Menschen für ihre Figur nicht geshamet werden. Es ist natürlich nicht in Ordnung, jemand als "zu dünn" zu verspotten, aber das hat ganz andere Hintergründe. Dünn sein gilt in unserer Gesellschaft als erstrebenswert, und Menschen, vor allem Frauen, werden angegriffen, wenn sie so dünn sind, dass sich darin schon der kranke Schlankheitswahn abzeichnet. Dicke Menschen werden allerdings angegriffen, weil ihre Figur nicht als akzeptabel gilt. Meist blicken andere deshalb auf sie herab. Bei dünnen Menschen tun andere zwar auch oft besorgt, um sich einzumischen, aber die Diskriminierung dicker Menschen ist systematisch, sie ist überall, und sie schadet ganzen Bevölkerungsgruppen.

27. Verstehe den Zusammenhang zwischen Kapitalismus und der Diskriminierung dicker Menschen. Die Firmen, die um Weihnachten für Genusslebensmittel werben, sind oft dieselben Firmen, die im neuen Jahr Diätprodukte verkaufen.

28. Manchmal wirst du neben einem dicken Menschen im Flugzeug sitzen. Du wirst schon klarkommen. Glaub mir, diese Person fühlt sich garantiert unwohler als du.

29. Informiere dich über die physischen Schmerzen, die dicke Menschen an figurspezifischen Orten erleiden – nicht nur im Flugzeug, sondern auch in Achterbahnen, im Kino, auf Massagetischen. Kontaktiere deine Airline und frage, warum ihre Sitze so klein sind. Schreibe positive Rezensionen zu Restaurants, die stabile Stühle haben. Ermutige deine Vorgesetzten, angemessene Stühle fürs Büro zu kaufen (keine Armlehnen, bitte). Wir brauchen deine Unterstützung, diese Arbeit können nicht nur dicke Menschen leisten.

30. Achte auch darauf, dass du für Gäste die größten Handtücher kaufst, die es im Laden gibt. Ich will nicht in einem Handtuch durch deine Wohnung laufen müssen, das mich nur halb bedeckt.

31. Informiere dich über die Pay Gap, die dicke Menschen benachteiligt, und diskriminierende Einstellungspraktiken in diesem Bereich. Das ist alles sehr real, selbst wenn du davon noch nie gehört hast.

32. Hör auf, davon auszugehen, dass dicke Menschen faul sind.

33. Investiere dein Geld in Unterhaltung, die dicke Menschen in romantischen Hauptrollen zeigt – nicht als menschgewordenen Witz.

34. Kritisiere deine Lieblingsschriftstellerinnen und –schriftsteller, wenn sie Figuren in ihren Büchern nur dann als dick beschreiben, wenn sie unsympathisch sein sollen (Ich schaue in deine Richtung, J.K. Rowling).

35. Kritisiere Comedians, wenn sie sich über das Aussehen dicker Menschen lustig machen.

36. Dünne Schauspielerinnen oder Schauspieler, die Fatsuits anziehen, gehen einfach nicht klar. Punkt.

37. Lies kritische Artikel und Bücher zum Thema Dicksein von dicken Autorinnen und Autoren, zum Beispiel Magda Albrecht, Cat Pausé, Kivan Bay und Roxane Gay. Sie und viele andere tun viel dafür, Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Diese Arbeit leisten sie nicht nur für andere dicke Menschen. Dünne Menschen sollten das auch lesen.

38. Trage zum Crowdfunding bei, wenn jemand kritische Analysen zu diesem Thema durchführen will, oder spende direkt an Forschungsreinrichtungen. Für Adipositas-Forschung gibt es kaum Gelder. Hm, warum wohl?

39. Wenn du Kinder hast, dann achte darauf, wie du vor ihnen über Essen sprichst. Vor allem viele Frauen beziehen sich auf Kommentare von ihren Eltern als Auslöser eines gestörten Verhältnisses zum Essen. Bringe deinen Kindern und anderen bei, dass ein Körper nichts ist, wofür man sich entschuldigen muss.

40. Verstehen, dass es verschiedene Arten von dicken Körpern gibt. Nicht alle dicken Menschen sind kurvig oder tragen ihr Gewicht an Stellen, die die Gesellschaft gutheißt.

41. Höre auf die Geschichten dicker Menschen. Wir haben im Alltag Probleme, von denen du nichts weißt. Manches davon klingt für dich vielleicht seltsam oder unwahrscheinlich, aber glaube diese Geschichten und lass deinen Umgang mit anderen davon beeinflussen.

42. Wenn wir dir von diesen Problemen erzählen, dann sag nicht: "Na ja, du könntest auch abnehmen." Schon mal von Victimblaming gehört? Genau.

43. Kritisiere Freundinnen, Freunde, Verwandte und Kolleginnen und Kollegen, wenn sie sich vor deinen Augen über dicke Menschen lustig machen oder lästern. Vergiss nicht: Wenn du schweigst, gibst du ihnen still die Erlaubnis, so weiterzumachen.

44. Erwarte nicht, dass jede dicke Person auf Belästigung gleich reagiert. Body Positivity ist komplex. Dazu gehört, dass man jahrelange Scham überwindet – und dazu oft noch internalisierten Frauenhass, Rassismus, Klassismus und Ableismus. An manchen Tagen ist eine dicke Person in deinem Bekanntenkreis vielleicht wütend und voller Energie, an anderen Tagen ist sie vielleicht einfach nur traurig und fühlt sich furchtbar.

45. Überlasse es nicht dicken Menschen, die Diskriminierung dicker Menschen zu kritisieren. Es schlaucht ganz schön, sich ständig zu verteidigen. Du musst mithelfen, anderen zu signalisieren, dass das nicht akzeptabel ist.

46. Melde Diskriminierung dicker Menschen auf Online-Plattformen. Wenn Facebook und Twitter dieses Thema ernstnehmen sollen, müssen mehr von uns das tun.

47. OK, manchmal wirst du versehentlich davon ausgehen, dass eine Frau schwanger ist, obwohl sie lediglich mehr Gewicht am Bauch hat. Du solltest ohnehin nicht auf schwangere Bäuche zeigen (oder sie anfassen!), aber vielleicht bietest du mal einer Frau deinen Platz an, weil du den falschen Schluss gezogen hast. Es gibt keine perfekte Art, damit umzugehen, aber eins solltest du nicht vergessen: Deine Gefühle sind in dieser Situation unwichtig. Richte dich nach der Person, die du mit deinen Handlungen möglicherweise verletzt hast. Es ist nicht ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass du dich besser fühlst. Sie hat schon genug damit zu tun, diese Situation zu verarbeiten.

48. Vergiss nicht: Wenn du dich nicht auch für dicke Frauen einsetzt, ist dein Feminismus nicht intersektionell. Denn Fat-Shaming und Diätkultur sind ein Teil des Patriarchats.

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