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Wie es eine deutsche Grafikdesignerin von Tumblr nach Hollywood schaffte

Eigentlich wollte Eileen Steinbach mit ihren Fan-Designs nur ihre Liebe zum Film zum Ausdruck bringen. Mittlerweile ist sogar Ryan Reynolds auf sie aufmerksam geworden.

Yasmina Banaszczuk

Yasmina Banaszczuk

Poster: Eileen Steinbach

Eileen Steinbach ist Grafikdesignerin, kommt aus Hannover und wollte anfangs eigentlich nur selbstkreierte Fanart auf Tumblr posten. Dann verwechselten Medienvertreter ihre Designs mit offiziellen Filmplakaten, immer mehr Leute wurden auf ihre Kunst aufmerksam und mittlerweile haben es die Poster der 32-Jährigen sogar in eine Ausstellung in Los Angeles geschafft.

Kein Wunder eigentlich, dass mittlerweile sogar Hollywood auf die Deutsche aufmerksam geworden ist und sie neben ihrer Fankunst nun auch professionelle Filmposter designt. Steinbach steuerte für ein Artbook zu The Thing, für das Eli Roth das Vorwort schrieb, ein Poster bei. Stars wie Ryan Reynolds oder Michael B. Jordan liken ihre Kunst auf Instagram. Wie es so weit kommen konnte, hat sie uns am Telefon verraten.

Broadly: Wie bist du dazu gekommen, Filmposter zu designen?
Eileen Steinbach: Ich hab auf Tumblr mit grafischer Bildbearbeitung angefangen und eigentlich in verschiedenen Bereichen was gemacht. Dort las ich auch erstmalig von Kill the Messenger. Ich fand die Geschichte des Films super interessant und habe ein Fanposter dazu designt. Das war rückblickend nicht meine beste Arbeit, aber durch Tumblr erschien es in der Bildersuche recht weit oben. Deswegen dachten Journalisten wohl, es sei das offizielle Poster. Also tauchte es in Reviews auf und irgendwie dachten die Leute dann, mein Fanposter wäre das echte. Danach habe ich angefangen, mehr Poster zu kreieren – sowohl fotobasiert als auch illustrativ – und das wurde gut angenommen.

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Was ist es an Filmen, das dich so begeistert?
Das Medium Film ist eines der ausdrucksstärksten Medien. Filme sind emotional viel einfacher zugänglich als zum Beispiel ein Buch. Man kann häufig gar nicht begreifen, wie viele Leute an einem Film arbeiten – das finde ich spannend. Somit interessieren mich Filme nicht nur als Medium, sondern auch Filmemacherei finde ich super interessant. Filmposter sind für mich dabei die Tür zum Publikum. Das Poster muss sie neugierig machen und sie dazu bringen, den Film sehen zu wollen. Diese bildliche Tür muss man aufstoßen und die Leute reinholen, deswegen finde ich sie sehr wichtig.

Eileen Steinbach | Foto: Stefan Vollgold

Macht du Filmposter eigentlich auch beruflich?
Bis vor anderthalb Jahren hab ich nie dran gedacht, das beruflich zu machen. Grafikdesign, klar, das habe ich studiert, aber die Filmposter? Nein. Doch dadurch, dass meine Poster so Fahrt aufnahmen, schrieben mich plötzlich Produzenten aus L.A. an. Ich dachte vorher immer: "Ach, die Poster machen halt die Studios." Aber das machen sie nicht, das machen Agenturen. Ich habe also angefangen, mich mit der Szene zu beschäftigen und als ich relativ viele Follower auf verschiedenen Plattformen hatte und damit klar wurde, dass das was ich da tue den Leuten gefällt, dachte ich irgendwann, dass ich ja mal mein Portfolio an ein paar dieser Agenturen schicken könnte.

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Einige haben gesagt: "Finden wir super, wollen wir." Verrückt. Es kommen aber auch Anfragen über soziale Netzwerke, wenn Indie-Regisseure oder Produzenten meine Arbeit im Netz sehen und mich direkt kontaktieren. Seit ein paar Wochen sitze ich auch an Hollywood-Material, wozu ich leider noch nichts sagen kann. Außer vielleicht: Es ist so groß, dass es mich selbst manchmal gruselt.

Hast du mal von den Filmemachern selbst was zu deinen Fanpostern gehört?
Der Drehbuchschreiber von Arrival hat relativ früh meine Fanposter zum Film auf Twitter gesehen. Ich kannte damals die Kurzgeschichte, hatte dann den Trailer gesehen und hab aus dem Trailermaterial verschiedene Fanposter gemacht. Eric Heisserer fand meine Poster super, hat sie online geteilt und sogar als Hintergrundbild auf seinem Handy benutzt. Mike Flanagan, der Regisseur von HUSH, wollte einen Druck meines illustrierten Posters, welches nun bei ihm in L.A. hängt. Sowas ist für einen Künstler natürlich ein riesiges Kompliment. Ach ja, und Ryan Reynolds hat mal mein Fanposter für Deadpool 2 gelikt. Auch nett.

Alle Poster: Eileen Steinbach

Was ist für dich so spannend daran, Fanposter zu Filmen zu machen, über die noch fast gar nichts bekannt ist?
Eigentlich ist es einfacher, eine Alternative zu einem vorhandenen Poster zu schaffen statt etwas ganz Neues zu kreieren. Bei einem Film, zu dem du nur drei Sätzen zur Handlung und vielleicht dem Cast kennst, ist das ein bisschen schwierig, weil du nicht weißt, ob dein Poster dann am Ende passt. Aber es macht total viel Spaß, sich da auszuprobieren. Es ist ein bisschen wie ein Assoziationsspiel: Du hast drei Wörter zu einem Film und findest dann Sachen, die dazu passen.

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Wie gehst du denn vor, wenn du deine Poster designst?
Meistens sehe ich ein Bild und fange dann einfach an, ohne einen Plan davon zu haben, wie es am Ende aussehen soll. Es ist total schwierig zu beschreiben. Wenn ich irgendwas sehe, was mich interessiert, lege ich los. Manchmal habe ich aber auch eine konkrete Idee, auf die ich hinarbeite. Außerdem mache ich sehr gerne Serien: Ich nehme ein Thema, und mache zu mehreren Filmen thematische Poster. Ein Beispiel ist die Sci-Fi-Reihe zu den Filmen Interstellar, Contact und Arrival.

Zu welchem Film hättest du gerne das offizielle Poster gemacht?
Hmm… es gibt so viele. Aktuell? Die Neuverfilmung von Es - eines meiner Lieblingsbücher als Teenager. Ich mag Superhelden sehr gerne und ein Poster zu einer weiblichen Superheldin zu machen, zum Beispiel Captain Marvel, die ja als nächstes dran ist, wäre cool. Unrealistisch, aber cool. Andererseits bin ich aber auch ein riesiger Indie-Fan. Ich kann mich da gar nicht festlegen, es gibt so viele gute. Juno, Little Miss Sunshine, Blue Valentine...

Was macht für dich ein schönes, gutes Poster aus?
Zuallererst sollte es keine Spoiler enthalten. In der Szene der alternativen Filmposter passiert das leider recht häufig. Ich bin ebenfalls kein Fan von "Floating Heads" – so nennt man das Phänomen der Poster, die praktisch nur aus riesigen Schauspielerköpfen und Titel bestehen. Marketingtechnisch vielleicht notwendig, aber gestalterisch doch eher eine Katastrophe. Was ich mag sind cleane, gut durchdachte Designs, wo man gleich ein Gefühl davon bekommt, worum es in einem Film geht. Oder aber sie machen neugierig.

Deswegen mag ich auch Teaserposter fast ein bisschen lieber. Die sind genau das: minimalistisch und teilweise mutiger als das Hauptposter. Oft sind sie auch stylischer und cooler. Ein guter Indikator für mich ist auch, ob ich mir das Poster selbst gerahmt in die Wohnung hängen würde.

Mehr von Eileen findet ihr auf ihrer Webseite.