Eine neue Studie bestätigt: Männer sind gruselig

Was haben Clowns, Sexshop-Besitzer und das männliche Geschlecht gemein? Sie alle sind Teil einer Untersuchung, die sich mit „Creepiness“ auseinandersetzt.

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13 April 2016, 7:00am

Photo by Irina Efremova via Stocksy

Was einen echten „Creep" ausmacht—oder einen „Creeper", falls du ein frecher Teenagers aus dem Jahr 2003 bist—hat man lange Zeit erst dann verstanden, wenn man es selbst erlebt hat. Im Schweizerischen auch ein „Grüsel" genannt, ist ein Creep kurzum ein widerlicher oder einfach unheimlicher Typ. Doch obwohl es eine breite sprachliche Palette gibt, um diesen Typ Mensch beziehungsweise dieses Gefühl des Unbehagens zu beschreiben und obwohl es Arbeiten gab, die die psychologischen Reaktionen auf solche Creeps untersucht haben, gab es bisher noch keine empirische Studie darüber, was es tatsächlich bedeutet, unheimlich zu sein.

Bis jetzt, denn letzten Monat haben Forscher des Knox College ihre Ergebnisse einer breit angelegten Studie über Verhalten und Charakteristika, die Menschen unheimlich finden, publiziert. Obwohl die Arbeit, die tatsächlich den Titel „On the nature of creepiness" trägt, zunächst nur vieles von dem bestätigt, was Frauen in Bars auf der ganzen Welt schon wussten, sagt sie auch, dass unser Creep-Radar eine evolutionäre Errungenschaft ist, die uns helfen soll, Gefahren wahrzunehmen und ihnen aus dem Weg zu gehen.

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„Bei der Reaktion auf etwas Unheimliches handelt es sich um eine adaptive Reaktion—egal ob man dabei mit einer Person oder einem Ort konfrontiert wird", sagt Frank McAndrew, der leitende Forscher der Studie und Professor der Psychologie am Knox College. „Plötzlich konzentriert sich alles an einem darauf, eine Antwort auf die Frage zu finden: Ist diese Person eine ernsthafte Bedrohung oder nicht? Denn es wäre ziemlich peinlich, wenn man schreiend wegrennen würde, die Person aber vollkommen harmlos und nur ein bisschen seltsam ist. Auf der anderen Seite hättest du ein ziemliches Problem, wenn du nicht schreiend wegläufst, die Person aber eine wirkliche Gefahr darstellt. Unabhängig davon arbeitet alles in uns daraufhin, diese unangenehme, unklare Situation zu verlassen."

Im Rahmen der Studie wurden 1.341 Personen, die im Schnitt 28 Jahre alt waren und aus verschiedenen Ländern kamen, befragt. Zusammengefasst: Wir empfinden Dinge deshalb als gruselig, weil sie eine gewisse Unvorhersehbarkeit beinhalten, wodurch sie eher ein potenzielles als ein tatsächliches Gefahrenpotenzial bergen. Neben dieser irgendwie beruhigenden Erkenntnis, haben die Forscher noch ein paar andere Dinge herausgefunden, die ein bisschen spannender sind. Zum Beispiel, welcher Beruf der gruseligste ist: Clowns, dicht gefolgt von Präparatoren und Sexshop-Besitzern. Außerdem wurde festgestellt, dass falsche Reaktionen auf soziale Signale einen hohen Gruselfaktor haben. Das umfasst unter anderem auch Dinge wie zu dicht an einer anderen Person zu stehen, „Leuten nicht in die Augen zu sehen, zu fragen, ob man ein Foto von seinem Gesprächspartner machen darf, Leute zu beobachten, bevor man sie anspricht, jemanden nach Details über sein persönliches Leben zu fragen, von sich selbst persönliche Dinge zu erzählen, zu viele oder zu wenig Emotionen zu zeigen, die Konversation auf Sex auszurichten sowie ältere Menschen und Menschen mit psychischen Krankheiten."

Foto: imago | EntertainmentPictures

Die Forscher haben auch nach äußeren Merkmalen wie langen Fingern, fettigen Haaren, „einem seltsamen Lachen", sehr dünner Figur oder komischer Kleidung gefragt, aber die physische Erscheinung allein macht noch keinen Creep, sagt McAndrews. „Wenn Leute ungewöhnlich aussehen, dann verstärkt das nur die Wirkung ihrer seltsamen Ausstrahlung. Aber es gibt keine bestimmten physischen Charakteristika, die wir sehen und denken: ‚Aha! Das ist unheimlich!'"

In den letzten Jahren gab es so manchen Kommentar zur „Politik der Bloßstellung von Creeps", nachdem Männerrechtsaktivisten ihr Ablehnung gegen den ihrer Meinung nach männerfeindlichen Begriff deutlich machten. Wie die Studie von McAndrews zeigt, hat die Vorstellung, alle Creeps seien Männer, auch einen wahren Kern. Es gibt zwar keine Checkliste für Creeps und auch kein Regelwerk an Verhaltensweisen, die jemanden eindeutig als „creepy" oder „cool" outen, aber 95 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass unheimliche Menschen eher männlich als weiblich seien. Frauen assoziierten mit unheimlichem Verhalten dabei oft auch sexuelle Bedrohungen. Obwohl die Studie nicht genau zwischen dem, was Männer gruselig finden und dem was Frauen gruselig finden, differenzierte , „dachten Frauen eher, dass die Person irgendein sexuelles Interesse an ihnen haben könnte", sagt McAndrew.

McAndrews hofft, dass seine Ergebnisse zukünftige Studien dazu zu inspirieren, zu untersuchen, was in verschiedenen Kulturen als unheimlich wahrgenommen wird und gibt zu, dass sein intensives Interesse an diesem Thema selbst auch gruselig wirken könnte—obwohl das schwer zu sagen ist, da 59 Prozent der Studienteilnehmer glaubten, dass gruselige Leute nicht wissen, dass sie gruselig sind. Als ich McAndrew frage, ob er selbst schon mal als gruselig bezeichnet wurde, wirkt seine Antwort zunächst etwas doppeldeutig. „Wie meine eigene Forschung gezeigt hat, wissen gruselige Leute nicht, dass sie gruselig sind. Wie also sollte ich es wissen?" Als ich ihn frage, ob die Studie ein Grund zur Selbstreflektion war, ist seine Antwort jedoch sehr direkt: „Nein. Das kann ich wirklich verneinen."