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Musik

Wie Popstars, die mit Dr. Luke gearbeitet haben, auf den Kesha-Prozess reagieren

Taylor Swift hat 250.000 Dollar gespendet, um Kesha zu unterstützen, doch was sagen Stars wie Miley Cyrus, Britney Spears, Nicki Minaj und R. Kelly?

Mitchell Sunderland

Mitchell Sunderland

Image via Wikimedia Commons

Seit eine Richterin Keshas einstweilige Verfügung abgelehnt hat, laut der sie nicht länger mit dem Produzenten Dr. Luke Musik aufnehmen müsste, haben weibliche Popstars ihre Unterstützung für Kesha getweetet. 2014 reichte Kesha Klage gegen Lukasz „Dr. Luke" Gottwald ein, weil dieser sie mutmaßlich unter Drogen gesetzt und vergewaltigt hat. Dr. Luke verklagte sie dafür im Gegenzug und warf ihr vor, sie würde lügen, um aus ihrem Vertrag freizukommen. Dr. Luke hat Keshas Anschuldigungen abgestritten. Gestern hat er sich auf Twitter über das Thema ausgelassen und behauptet, Kesha weder vergewaltigt, noch mit ihr Sex gehabt zu haben. Er sagte dabei unter anderem, sie sei für ihn lange wie „meine kleine Schwester" gewesen.

Das rechtliche Drama hat Wellen geschlagen, die sich durch die gesamte Musikindustrie ziehen. Am 21. Februar wurde bekannt, dass Taylor Swift 250.000 Dollar an Keshagespendet hat, obwohl Swift sich nicht öffentlich zu dem Prozess geäußert hat. LautTMZ behauptet Kesha, ihr gehe das Geld aus, weil Dr. Luke sich weigere, ihre Tantiemen auszuzahlen. In einer Mitteilung sagte Swifts Sprecherin: „Taylor Swift hat sich entschieden, zu Keshas Unterstützung 250.000 Dollar zu spenden, um ihr in dieser schwierigen Zeit mit ihren finanziellen Bedürfnissen zu helfen." (Swift hat noch nie mit Dr. Luke gearbeitet, doch sie hat für Red und 1989 mit Dr. Lukes Mentor Max Martin kollaboriert.)

Swifts Zusammenarbeit mit Martin wird regelmäßig als einer der Gründe genannt, warum sich Swift von einem Country-Star zu einem Megastar des Pop-Genres gewandelt hat. Martin lebt in Schweden, doch er hat in den vergangenen 20 Jahren die meisten US-Hits produziert, von „I Want It That Way" und „... Baby One More Time" über „Blank Space" bis hin zu „Can't Feel My Face". Martin arbeitet häufig mit seinem Protegé Dr. Luke sowie mit den jüngeren Produzenten Shellback, Cirkut und Benny Blanco. Die Männer bilden zusammen so etwas wie eine Hitmaschinen-Mafia für die größten US-Stars, darunter Britney Spears, Katy Perry und Miley Cyrus. Wenn du ein riesengroßer weiblicher Popstar bist, dann hast du wahrscheinlich schon mit Martin, Dr. Luke oder einem anderen Produzenten aus ihrem Gefolge gearbeitet.

Seit Freitag haben mehrere Musikerinnen, die mit Dr. Luke gearbeitet haben, sich zu Wort gemeldet und Kesha ihre Unterstützung ausgesprochen, doch andere Musikstars schweigen. Ein Blick auf die Reaktionen dieser Menschen verdeutlicht das belastende Kreuzfeuer, in dem sich Kesha weiterhin befinden wird, so lange der Prozess andauert. Hier ist eine Übersicht der Reaktionen seitens der größten Stars, die bereits mit Dr. Luke gearbeitet haben.

Popstar: Ciara
Verhältnis zu Dr. Luke: Ciara hat zum ersten Mal 2009 für „Tell Me What Your Name Is" mit Dr. Luke zusammengearbeitet, der den Song mitgeschrieben und koproduziert hat. Seit Kesha 2014 ihre Klage gegen Dr. Luke eingereicht hat, hat Ciara fünf Songs veröffentlicht, die von Dr. Luke produziert und mitgeschrieben wurden.
Reaktion auf den Vergewaltigungsvorwurf: Ciara hat keinen Kommentar zu dem Prozess abgegeben. Sie hat sich auf Broadlys Bitte um Kommentar hin nicht gemeldet.

Popstar: Kelly Clarkson
Verhältnis zu Dr. Luke: Als der Teenie-Pop im Stil von Britney Spears Mitte der 2000er aus der Mode kam, war damit auch Dr. Lukes Mentor, Max Martin, passé. Er belebte seine Karriere 2004 neu, indem er sich mit Dr. Luke zusammentat und an zwei großen Hits für Kelly Clarksons Erfolgsalbum Breakaway von 2004 mitschrieb und -produzierte: „Since U Been Gone" und „Behind These Hazel Eyes". Laut New Yorker ergänzte Dr. Luke Martins Sound um eine rockigere Note. 2009 arbeiteten sie erneut mit Clarkson an dem Song „My Life Would Suck Without You".
Reaktion: Am Freitag tweetete Clarkson: „Ich versuche, nichts zu sagen, denn wenn man nichts Nettes über jemanden sagen kann ... ich spreche hiermit also nicht von Dr. Luke." Sie hat sich auf Broadlys Bitte um einen Kommentar hin nicht gemeldet.

Popstar: Miley Cyrus
Verhältnis zu Dr. Luke: Dr. Luke hat „Wrecking Ball" gemeinsam mit Cirkut produziert. (Terry Richardson, dem viele Frauen sexuelle Übergriffe vorwerfen, hat bei dem Musikvideo Regie geführt.) Letztes Jahr sagte eine Quelle aus Miley Cyrus' Umfeld demHollywood Reporter, Cyrus weigere sich, jemals wieder mit Dr. Luke zusammenzuarbeiten.
Reaktion: Letztes Wochenende hat Cyrus ein Bild von Fiona Apple auf Instagram geteilt, auf dem diese ein Schild hält, auf dem steht: „KESHA - I AM SO ANGRY FOR YOU. THEY WERE WRONG. I'M SORRY." Sie hat sich auf Broadlys Bitte um einen Kommentar hin nicht gemeldet.

Popstar: Flo Rida
Verhältnis zu Dr. Luke: Dr. Luke hat fünf Songs für Flo Rida mitgeschrieben und -produziert, darunter „Once in a Lifetime", das Flo Rida letztes Jahr und damit nach dem Beginn des Prozesses veröffentlichte. 2009 arbeitete Dr. Luke mit Flo Rida an einem Song namens „Right Round". Auf dem Track sang Kesha den Refrain. Laut einerTitelstory des Billboard Magazine soll Kesha zufällig ins Aufnahmestudio gekommen sein und Dr. Luke habe sie daraufhin singen lassen. Sie erhielt für ihre Arbeit keine Bezahlung, obwohl die Single auf Platz Eins der Billboard-Charts stieg.
Reaktion: Flo Rida hat keinen Kommentar zu dem Prozess abgegeben. Er hat sich auf Broadlys Bitte um einen Kommentar hin nicht gemeldet.

Popstar: Jessie J
Verhältnis zu Dr. Luke: Dr. Luke hat von 2011 bis 2013 sechs Songs für Jessie J produziert und mitgeschrieben.
Reaktion: Jessie J hat keinen Kommentar zu dem Prozess abgegeben. Sie hat sich auf Broadlys Bitte um einen Kommentar hin nicht gemeldet.

Popstar: Marina and the Diamonds
Verhältnis zu Dr. Luke: Dr. Luke hat zwei Tracks für das Album Electra Heart von 2012 mitproduziert und -geschrieben. Seit diesem Album ist es zu keiner Zusammenarbeit gekommen. Letztes Jahr sagte Marina der BBC: „Co-writing zerstört die Popmusik."
Reaktion: Marina and the Diamonds hat den Fall nicht kommentiert oder Kesha ihre Unterstützung ausgesprochen. Ihre Sprecherin lehnte es auf unsere Anfrage hin ab, einen Kommentar abzugeben.

Popstar: Nicki Minaj
Verhältnis zu Dr. Luke: Dr. Luke hat drei Tracks auf Pink Friday: Reloaded und The Pink Print geschrieben und koproduziert.
Reaktion: Nicki Minaj hat den Prozess nicht kommentiert, entfolgte jedoch im Laufe des Wochenendes Dr. Luke auf Twitter. Auf Broadlys Bitte um einen Kommentar hat sie sich nicht gemeldet.

Popstar: Katy Perry
Verhältnis zu Dr. Luke: Dr. Luke hat in Katy Perrys Karriere eine Schlüsselrolle gespielt. Er schrieb und produzierte ihre Durchbruchssingle „I Kissed a Girl" mit. (Kesha ist im Musikvideo zu sehen). Seither haben Dr. Luke und Perry bei 15 Songs auf Perrys Alben Teenage Dream und Prism zusammengearbeitet.
Reaktion: Perry hat den Prozess nicht kommentiert. Auf Broadlys Bitte um einen Kommentar hat sie sich nicht gemeldet.

Popstar: Pitbull
Verhältnis zu Dr. Luke: Zwischen 2009 und 2014 haben Pitbull und Dr. Luke an acht Songs zusammengearbeitet, darunter der Pitbull-Track von 2014 „Time of Our Lives" und sein Gastauftritt auf Becky Gs Flop von 2012, „Can't Get Enough". 2013 schrieb und produzierte Dr. Luke mit an Pitbulls Duett mit Kesha, „Timber". Der Song schaffte es bis an die Chartspitze und war bis heute Keshas letzte Single.
Reaktion: Pitbull hat den Prozess nicht kommentiert. Er hat auf Broadlys Bitte um einen Kommentar nicht reagiert.

Popstar: R. Kelly
Verhältnis zu Dr. Luke: Letztes Jahr hat Dr. Luke den R.-Kelly-Song „Marching Band" zusammen mit Cirkut, JMIKE und Kelly produziert.
Reaktion: R. Kelly hat keinen Kommentar über seine Zusammenarbeit mit einem mutmaßlichen Vergewaltiger abgegeben. Auf Broadlys Bitte um Kommentar hat er nicht reagiert.

Popstar: Britney Spears
Verhältnis zu Dr. Luke: Nach ihrem psychischen Zusammenbruch 2007 wandte sich Britney Spears an Dr. Luke, um neue Hits zu produzieren. Für ihr Comeback-Album von 2008, Circus, produzierte er drei Songs, an denen er außerdem mitschrieb, darunter der Titeltrack, der es in den Billboard Hot 100 auf den dritten Platz schaffte. Drei Jahre darauf war Dr. Luke ausführender Produzent für Spears' Album Femme Fatale. Er koproduzierte fünf Songs auf der Platte: „Till the World Ends", „Hold It Against Me", „Inside Out", „Seal It with a Kiss" und „Gasoline". Kesha singt auf dem von Dr. Luke produzierten Spears-Track „Lace and Leather" von 2008.
Reaktion: Spears hat den Prozess nicht kommentiert. Auf Broadlys Bitte um einen Kommentar hat sie nicht reagiert.

Abgesehen von den bereits erwähnten Stars hat auch Lady Gaga, die vor Kurzem in einem Interview preisgab, dass sie selbst vor einigen Jahren von einem Produzenten vergewaltigt wurde, Kesha öffentlich Unterstützung gezeigt. Dazu gehörten Tweets sowie ein persönlicher Besuch der Sängerin, bei dem sie Kesha die Hand hielt.

Außerdem hat Jack Antonoff, Sänger der Bleachers und Gitarrist von Fun, Kesha auf Twitter angeboten, Musik mit ihr aufzunehmen und diese dann entweder zu leaken (um ihren Vertrag zu umgehen) oder zu behalten, bis sie von dem Sony-Vertrag frei ist. Bei dieser Gelegenheit bezeichnete er Dr. Luke als „creep".

Weiterhin haben Lorde, Grimes, Lily Allen, Iggy Azalea und Ariana Grande sowie viele weitere Musikerinnen und Musiker ihre Unterstützung für Kesha getweetet. Halsey widmete Kesha kürzlich bei einem Auftritt einen Song und Adele nutzte ihre Dankesrede für ihren BRIT Award als beste Solo-Künstlerin, um ihre Solidarität zu zeigen.

Spät gestern Abend (europäischer Zeit) veröffentlichte Kesha dann selbst ein längeresStatement auf Facebook, in dem sie ihren Unterstützerinnen und Unterstützern dankt und Opfern der sexuellen Gewalt Mut macht. „Andere Entertainer, die wissentlich ihre Karriere gefährden, indem sie mich unterstützen: Ich werde für immer dankbar sein", schreibt sie und fährt fort: „Ich wollte nie etwas anderes, als Musik machen zu können, ohne Angst zu haben oder missbraucht zu werden. Hier ging es nie um einen neuen Vertrag mit besseren Konditionen. Hier geht es darum, dass ich von meinem Peiniger freikomme."

Schließlich äußerte sie noch ihre Sorge, dass ihr eigener Fall womöglich Missbrauchsopfer entmutigen könnte. „Ich will nur sagen, wenn du missbraucht worden bist, hab bitte keine Angst, etwas zu sagen. Es gibt Orte, an denen du dich sicher fühlen kannst. Es gibt Leute, die dir helfen werden. Ich für meinen Teil werde an deiner Seite sein und dich unterstützen. Ich weiß jetzt, wie sich das alles anfühlt, und werde für immer für dich kämpfen, so wie völlig fremde Menschen es für mich tun."