„Ich muss heute noch lachen“: Frauen erzählen von ihrem ersten Orgasmus

Manche erleben den Höhepunkt, wenn sie in der Pubertät zum ersten Mal ihren Körper erforschen, bei anderen dauert es ein bisschen länger. Für die meisten Frauen ändert sich danach so oder so alles.

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Nov. 14 2016, 7:50am

Symbolfoto: Valeria Boltneva | Pexels | CC0

Wenn man was zum ersten Mal erlebt, hat das immer etwas Magisches an sich. Man erinnert sich zum Beispiel sein Leben lang an den ersten Rausch (oder zumindest den Zeitpunkt, das Alter oder die Umstände, die dazu geführt haben), die erste richtige Beziehung und den ersten Sex, wobei sich bei Letzterem definitiv darüber streiten lässt, ob man sich wegen des Partners oder der Tatsache, dass man die intimste Sache der Welt zum ersten Mal macht, daran erinnert. Auch der erste Orgasmus gehört zu den Ereignissen, die man nicht so schnell vergisst. Wir ließen fünf Frauen in Erinnerungen schwelgen und haben nachgefragt, wie sie ihren ersten Orgasmus erlebt haben.

Leonie *

Meinen allerersten Orgasmus hatte ich mit 13 Jahren. Ich verspürte schon seit längerer Zeit eine unerklärliche Lust, die ich damals noch nicht ganz einordnen konnte. Ähnlich wie bei einem Raucher, der den ganzen Tag nicht rauchen konnte, lastete ein wahnsinniger Druck auf mir. Dieses Gefühl war ziemlich neu für mich und da meine Welt zu dieser Zeit gerade etwas aus den Fugen geraten war, war dieses Verlangen nicht ganz einfach zu verstehen und irgendwie schwer zu erklären. Ich hatte damals erst vor Kurzem festgestellt, dass ich auf Frauen stehe und musste zuerst damit klarkommen. Ich weiss noch, dass ich damals eine Klassenkameradin hatte, die immer sehr extrem nach Kaugummi roch und dieser Geruch machte mich fast wahnsinnig.

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Nach der Schule schloss ich mich zu Hause in meinem Zimmer ein, ließ Musik laufen und fing an, an mir herumzuspielen. Ich schloss meine Augen und stellte mir vor, wie sich meine Klassenkameradin vor mir auszog und ich sie küsste. Aus der heutigen Sicht ist das eine unglaublich amateurhafte Vorstellung—aber sie hatte damals nun mal ihren Reiz. Plötzlich fing alles in meinem Körper an zu vibrieren und ich fühlte mich, als stünde ich kurz vor einer gewaltigen Explosion. Ein Gefühl, das meinen ganzen Körper durchschoss. Danach lag ich noch minutenlang auf dem Bett. Ich kam mir irgendwie schmutzig vor und hatte Angst, von jemandem erwischt zu werden. Mein erster Orgasmus war eine Erfahrung, die ich noch lange mit mir rumgetragen habe und an die ich mich für immer erinnern werde.

Amanda

Ich muss heute noch lachen, wenn ich an meinen allerersten Orgasmus denke. Meine Freundinnen und ich haben uns im Teenageralter immer diese Mädchen-Magazine mit den unzähligen Styling-Tipps und Möchtegern-Aufklärungsseiten gekauft. Ich erinnere mich noch an einen Artikel über Selbstbefriedigung: Eine junge Frau beschrieb darin, wie sie sich regelmässig mit ihrer elektrischen Zahnbürste befriedigte. Das wollte ich natürlich ausprobieren und schnappte mir kurzerhand die elektrische Zahnbürste meines Bruders. Ich war wahnsinnig aufgeregt.

Ich schlich mich mitten in der Nacht aus meinem Zimmer und brachte die Zahnbürste ins Badezimmer zurück. Am anderen Tag sah ich, wie mein Bruder sich damit die Zähne putzte.

Einerseits hatte ich Angst, von jemandem im Haus erwischt zu werden, da das Vibrieren der Zahnbürste nicht gerade leise war, andererseits wollte ich unbedingt wissen, wie sich das anfühlte. Wie zu erwarten, war das Gefühl überwältigend und ich tat es direkt danach noch zwei, drei Mal. Ich schlich mich mitten in der Nacht aus meinem Zimmer und brachte die Zahnbürste ins Badezimmer zurück. Am anderen Tag sah ich, wie mein Bruder sich damit die Zähne putzte. Ich hatte zwar ein schlechtes Gewissen, ließ es mir aber nicht nehmen, es regelmäßig zu wiederholen.

Natia

Es gab da einen Jungen in meiner Klasse, in den ich schon sehr lange sehr verliebt war. Leider war er genau so schüchtern wie ich. Eines Nachmittags nahm er seinen ganzen Mut zusammen und fragte mich, ob ich ihm nach der Schule mit den Hausaufgaben helfen könnte. Heute würde man diese Art von Tête-à-Tête wohl „Netflix & Chill" nennen. Die letzte Stunde ließen wir einfach ausfallen und machten es uns bei ihm zu Hause gemütlich, da seine Eltern gerade nicht da waren. Wir waren beide 15 Jahre alt und ziemlich unerfahren, dennoch konnten wir die Finger nicht voneinander lassen. Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben einen Penis in der Hand und wusste nicht so recht, was ich damit machen sollte. Er zeigte mir, wie ich meine Hand bewegen muss und fingerte etwas hilflos zwischen meinen Beinen herum.

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Plötzlich passierte, was im Idealfall passiert, wenn hormonüberladene Teenager miteinander fummeln—ich hatte einen Orgasmus und war völlig überwältigt. Als ich zu Hause ankam, wollte ich natürlich wissen, was soeben geschehen war und begann mit der Ursachenforschung. In den darauffolgenden Tagen ließ ich keine Gelegenheit aus, mich zum Orgasmus zu bringen. Während der Schulstunden verschwand ich kurz auf der Toilette, kam mit einem breiten Grinsen zurück und nur er wusste, was ich soeben getan hatte.

Alina

Ich wurde streng katholisch erzogen. Mir wurde schon sehr früh gesagt, dass es „verbotene Zonen" gibt, die ich nicht berühren darf und die auch, bis nach der Hochzeit, von niemand anderem berührt werden durften. Immer, wenn ich mich abends ins Bett legte und meine Mutter ins Zimmer kam, hob sie drohend den Finger, sagte: „Die Hände bleiben über der Bettdecke!" Erst dann drücke sie mir einen Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn. Meine Schwester ist zwei Jahre älter als ich und als wir beide noch bei unseren Eltern wohnten, teilten wir uns ein Zimmer. Eines Nachts, ich war damals bestimmt nicht älter als 13, wachte ich auf und hörte, wie sie ganz schnell atmete. Ich hob den Kopf, schielte zu ihr rüber und fragte, ob alles in Ordnung sei. Sie zuckte zusammen, machte ihre Nachttischlampe aus und sagte kein Wort. An den darauffolgenden Tagen ging sie mir aus dem Weg und ich hatte keinen blassen Schimmer, warum eigentlich.

Ein paar Tage später, es war so um Weihnachten herum, sprach ich sie auf ihr Verhalten an. Sie erklärte mir ganz verlegen, dass ich sie in jener Nacht dabei erwischt hatte, wie sie was Verbotenes tut. Ich wollte wissen, was das war und sie klärte mich auf. In jener Nacht wartete ich, bis meine Schwester eingeschlafen war und probierte aus, was sie schon lange für sich entdeckt hatte: Ich streichelte mich selbst und brachte mich zum Orgasmus. Echtes Anfängerglück. Am nächsten Morgen hatte ich ein unglaublich schlechtes Gewissen und wollte alles unserer Mutter erzählen, doch meine Schwester flehte mich an, es nicht zu tun. Wir wären sonst beide dafür bestraft worden.

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Vanessa

Ich bin definitiv ein Spätzünder, wie man so schön sagt. Von Selbstbefriedigung hielt ich noch nie was, da ich den Gedanken, an mir selber herumzufummeln, irgendwie immer ziemlich unsexy fand. Meinen ersten Orgasmus hatte ich letzten Sommer am Meer, als ich völlig betrunken mit einem Typen Sex am Strand hatte. Ja, ziemlich klischeehaft, ich weiß. Obwohl ich vor diesem Ereignis schon relativ oft Sex hatte und auch zwei Jahre in einer glücklichen Beziehung lebte, hat es einfach nie „geknallt"—was für mich völlig normal war und ich nie in Frage stellte.

Ich glaube die Tatsache, dass ich den Kerl knapp eine Stunde kannte, ziemlich betrunken war und das Ganze irgendwie locker sah, führte dazu, dass ich mich endlich mal entspannen und so richtig gehen lassen konnte. Ich musste nicht überlegen, ob meine Brüste von unten schön aussahen oder ob dem Typen gefiel, was ich da tat, denn es war mir egal. Ich kannte ihn ja nicht und ich wusste, dass ich ihn wahrscheinlich nie wieder sehen werde. Orgasmen sind reine Kopfsache, wenn man entspannt ist und nicht viel nachdenkt, dann klappt es auch.


*Namen geändert

Titelfoto: Valeria Boltneva | Pexels | CC0 [Symbolfoto]