Wie es ist, die Leiche in der kontroversesten Sexszene des Jahres zu spielen

Nicolas Winding Refns neuer Film ‚The Neon Demon‘ ist noch skandalöser als seine Vorgänger—und schockiert unter anderem mit lesbischer Nekrophilie. Wir haben mit Cody Renee Cameron über die Entstehung der Szene gesprochen.

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11 Juli 2016, 7:00am

Courtesy of Amazon Studios

The Neon Demon ist der neue, psychedelische Thriller von Nicolas Winding Refn. Dieses Mal nimmt uns der Drive-Regisseur in eine Welt aus Pailletten, Blut und junger Models mit, seiner speziellen visuellen Herangehensweise ist er dabei allerdings treu geblieben. Die beiden Hauptrollen übernehmen Elle Fanning, die ein junges Model spielt, das gerade frisch nach LA gezogen ist, und Jena Malone als Make-up-Artist. Keanu Reeves und Christina Hendricks sind die beiden düsteren Stargäste und Abbey Lee Kershaw und Bella Heathcote spielen zwei etablierte Models, die sich nach Frischfleisch verzehren.

Der Film enthält diverse Szenen, die nichts für schwache Mägen sind, der unvergesslichste Teil ist allerdings die leidenschaftliche Szene zwischen Jena Malone und einer Leiche, gespielt von Cody Renee Cameron. Cody weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, das neue blonde Model in der Stadt zu sein: Als sie an der Universität von Illinois studierte, wurde sie vom Playboy entdeckt und zog später nach Los Angeles, um sich dort kreativ auszuleben.

Wir hatten die Gelegenheit, mit Cody zu sprechen und sie zu fragen, ob Hollywood wirklich so ist, wie es in Neon Demon dargestellt wird und wie man sich auf eine Rolle als Tote vorbereitet. Nicht zuletzt ging es natürlich auch um Nekrophilie. (Achtung: Spoiler)

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Broadly: Wie bist du zur Schauspielerei und zum Modeln gekommen?
Cody Renee Cameron: Ich wurde an der Uni vom Playboy entdeckt und habe die University of Illinois in einer College-Ausgabe des Playboy vertreten, [Playboy's College Girls August 2011]. Das war mein erster richtiger Job als Model und ich war komplett nackt, was ziemlich verrückt war, weil die Leute im Süden von Illinois sehr konservativ sind. Es gibt dort ziemlich viele Republikaner und Christen—der ‚Bible Belt' eben. Das hat mir am Anfang alles ziemlich viel Angst eingejagt, aber es war großartig. Nach dem College beschloss ich dann, mein Glück in LA zu versuchen.

Erzähl mir von deiner Szene in Neon Demon.
Das war mein bisher größter Auftritt. Wir haben das vor etwas mehr als einem Jahr gedreht und irgendwie ist meine Erinnerung schon ganz verschwommen, weil es einfach so witzig und aufregend und irgendwie unwirklich war. Ich habe ein Ganzkörper-Make-up bekommen, um wie eine Leiche auszusehen und eine spezielle Prothese, damit es so aussieht, als hätte man mich aufgeschnitten.

Wie lief das ab, als du geschminkt wurdest?
Du kommst rein, ziehst dich aus, setzt dich auf einen Stuhl und dann sitzt du da für sechs oder acht Stunden. Zwei Leute haben an meinem Körper gearbeitet und dann kamen noch zwei weitere dazu, die mein Gesicht und meine Haare gemacht haben. Es haben also vier Leute gleichzeitig an mir herumgefummelt, um das alles fertig zu kriegen.

Wie hast du es geschafft, so ruhig zu bleiben, während du die Leiche gespielt hast?
Oh Mann ... Ich habe mir vorab sehr viele YouTube-Tutorials angesehen, in denen erklärt wurde, wie man sich tot stellt und auch verschiedene Sachen ausprobiert: Ich habe versucht, den Atem so lang wie möglich anzuhalten, fand aber, dass das nicht besonders gut funktioniert hat, weil man dann mit einem lauten „Aah!" ausatmet, wenn man alles rauslässt. Also habe ich stattdessen versucht, meinen Bauch anzuspannen und dann ganz kurz und flach zu atmen. Ich habe ziemlich viel geübt.

Das hat sich gelohnt. Du siehst total tot aus.
Ich war so nervös, mich selbst auf der Leinwand zu sehen, aber dann bei der Premiere, dachte ich mir: „Wow, ja, ich sehe wirklich tot aus."

Deine Szene muss aber sehr viel schwieriger gewesen sein als eine gewöhnliche Leichenszene, weil Jena Malone Sex mit dir hatte.
Ja, das war wirklich verrückt. Wenn man mit anderen zusammen eine Szene dreht, denkt man oft nur an sich selbst. Ich habe einfach nur versucht, so tot wie möglich auszusehen und mehr darauf geachtet, wie emotional die Szene für Jena war. Die Szene ist zwar nur ganz kurz, aber wir haben fast sechs Stunden lang gedreht und gedreht und gedreht. Ich lag sechs Stunden lang auf diesem kalten, harten Stahltisch. Und [Jena Malone] war einfach großartig.

Aber wir haben vor dem Dreh auch viel darüber diskutiert—Nick [Nicolas Winding Refn], Jena und ich haben darüber gesprochen, wie sie die Szene drehen wollen und wie es am Ende aussehen soll. Ursprünglich sollte es nur eine ganz kurze Szene werden, in der sie meine Hände berührt und mir einen Kuss gibt. Es ist komisch über die Chemie zwischen einer Leiche und einem Menschen zu sprechen, aber ihre Chemie mit mir ... sie hat sich wohl genug gefühlt, um noch einen Schritt weiterzugehen. Nicolas Winding Refn hat uns Anweisungen gegeben und meinte: „Hey, spuck in ihren Mund, setz dich hier hin und reib dich daran" und dann ist die Szene irgendwie ausgeufert. Es war wirklich toll, ein Teil davon zu sein.

Hast du früher schon mal eine Leiche gespielt?
Nein, ich glaube, das habe ich nicht. Ich wurde vor der Kamera schon umgebracht und lag dann tot da, aber ich habe noch nie in einer vergleichbaren Szene mitgespielt.

Wie bist du an diese Rolle gekommen?
Ich war beim Vorsprechen für die Rolle, zusammen mit wahrscheinlich 200 anderen Mädchen. Es ist immer so seltsam, anderen davon zu erzählen. Ich ging also zum Casting und sie wollten, dass wir im Bikini reinkommen und uns auf den Boden legen, während zwei Leute komische Sachen mit uns machten—sie zerzausten uns die Haare oder hoben Stühle über uns drüber. Dabei haben sie uns gefilmt und auf unseren Atem geachtet. Es war ziemlich cool zu wissen, dass ich das beste tote Mädchen von allen war.

Und wie war die Premiere?
Das war total aufregend. Die Premiere fand im ArcLight Hollywood statt. Das war das erste Mal, dass ich mich dort auf der großen Leinwand gesehen habe. Es war alles ziemlich gut gemacht. Es gab einen roten Teppich mit Keanu Reaves und Ella Fanning und all den anderen. Es war eine unglaubliche Ehre für mich, mit ihnen auf dem roten Teppich zu stehen. Und es war ziemlich cool, sich den Film in Hollywood mit der gesamten Besetzung und der Crew anzusehen. Diese ganze Erfahrung war wirklich großartig—einfach unglaublich. Ich wusste eigentlich nichts über den Film. Ich kannte nur meine Szene und die grobe Handlung. Deswegen gab es auch für mich auf alle Fälle ein paar Schockmomente, wie die Szene mit dem Augapfel und all das Blut. Die Kinematografie war einfach fantastisch. [Nicolas Winding Refn] übertrifft sich jedes Mal selbst.

Es war wunderschön anzusehen.
Vor allem wenn man selbst in der Branche tätig ist, ist es spannend, sich anzusehen, was ein Model durchmacht. Ich konnte mich ziemlich gut damit identifizieren und hoffe, dass das auch bei Leuten, die nicht in der Branche tätig sind, so rüberkommt.

Das wollte ich dich noch fragen: Es geht ziemlich viel um den Körper, darum, als Frau in Hollywood zu arbeiten und den Konkurrenzdruck unter Frauen. Welche Erfahrungen hast du durch deine Arbeit in der Branche gesammelt?
Was der Film ziemlich gut auf den Punkt bringt, ist die Tatsache, dass man immer den Druck hat, jünger zu sein—was schlichtweg unmöglich ist. Egal wie viel Zeit oder Energie du investierst oder wie talentiert du bist, es werden immer wieder neue Leute nachkommen und das kann einen wirklich verrückt machen. Man sieht ja, was passiert. Ich sage immer: Du bist, was du isst, womit du dich umgibst, was du in deinen Körper packst, was du dir im Fernsehen ansiehst oder worüber du sprichst. Das alles macht aus, wer du bist. Deswegen gefiel mir die Idee, dass sie dieses jüngere Mädchen verschlingen und dadurch ihre Eigenschaften annehmen. Ich finde, das ist verdammt genial.