Broadlyhttps://broadly.vice.com/deRSS feed for https://broadly.vice.comdeMon, 10 Dec 2018 14:37:02 +0000<![CDATA[Wenn Stalking deine Psyche ruiniert]]>https://broadly.vice.com/de/article/nepegq/wenn-stalking-deine-psyche-ruiniertMon, 10 Dec 2018 14:37:02 +0000Als es besonders schlimm war, wollte die 19-jährige Carly* ihr Schlafzimmerfenster zukleben. 2017 hatte die Studentin aus dem englischen Norfolk die romantischen Avancen eines Kommilitonen abgelehnt. Daraufhin folgte er ihr bei mehreren Gelegenheiten nach Hause.

"Ich glaube, er hat herausgefunden, wo ich wohne, nachdem er mir vom Supermarkt nach Hause gefolgt war", sagt Carly. "Fünf Monate lang hat er mir regelmäßig Snapchats von meinem Haus geschickt. Wenn ich ihn geblockt habe, hat er sich einen neuen Account gemacht. Er hat behauptet, mich durch mein Fenster zu beobachten."

Kaum eine Nacht verging, in der sie keine Angst hatte. Das lag auch an dem großen Schlafzimmerfenster zur Hauptstraße hin. "Ich habe dickere Vorhänge gekauft und war kurz davor, mein Fenster mit Sekundenkleber zuzukleben, weil ich nicht schlafen konnte."

Wenn man von Stalking hört, sind es in der Regel die Fälle, die tragisch enden. Damit ein Vorfall öffentliche Aufmerksamkeit erfährt, muss er oft gewalttätig oder extrem sein – Fälle wie der von Alice Ruggles, deren stalkender Ex-Freund in ihr Haus einbrach und sie ermordete. Oder der Fall von Molly McLaren, die in ihrem Auto von einem Ex-Partner erstochen wurde.

Zum Glück endet der Großteil aller Stalkingfälle nicht mit einem Mord: Meistens gelingt es den Opfern, dem Griff ihres Stalkers zu entkommen. Aber damit ist die Tortur nicht zwangsläufig vorbei. Bei manchen hinterlässt die Erfahrung schwere psychische Schäden.

Als Carly dieses Jahr umzog, ließ ihr Stalker endlich von ihr ab. Der Fall aber verfolgt sie immer noch. Nicht nur ist ihre Angststörung stärker geworden, sondern auch ihr Umgang mit Menschen hat sich verändert. Sie schottet sich ab und ist Fremden gegenüber weniger aufgeschlossen.

"Ich poste keine Bilder aus meiner Nachbarschaft mehr, weil ich Angst habe, dass er oder jemand anderes mich findet", sagt Carly. "Ich bin sehr vorsichtig, welche Informationen ich gegenüber anderen Menschen von mir preisgebe. Seit der Sache habe ich jedes Date so weit von zu Hause wie möglich gehabt. Und ich bringe immer jemanden mit."


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Auch Monate nach ihrer Tortur leidet Carly immer noch unter Angststörungen, Furcht, Misstrauen und Schlafstörungen. Laura Richards wundert das nicht. Die Gründerin des britischen Vereins für Stalkingopfer, Paladin, erklärt: "Stalking verändert das Leben. Opfer sind danach nie wieder die Menschen, die sie vor dem Stalking waren." Sie listet einige Folgen auf, unter denen Betroffene leiden können: "Manche werden hypersensibel, hyperaufmerksam und stehen pausenlos unter Stress. Sie schauen ständig über die Schulter und sichern sich in jeder Situation um 360 Grad ab."

Je länger und intensiver das Stalking war, desto extremer äußern sich in der Regel die Symptome. Die in Sussex geborene Autorin Ellie, 28, wurde 2012 während ihres Studiums von einem Mitbewohner gestalkt. Sechs Jahre später sind die Wunden dieser Erfahrung noch nicht geheilt.

"Er hat mich im Haus verfolgt, zur Universität, in Geschäfte", erinnert sich Ellie. "Er hat mich in Ecken gedrängt und in der Küche meinen Weg blockiert. Wenn ich mich in den Gemeinschaftsräumen aufhielt, hat er mich beobachtet. Wenn er mich alleine erwischt hat, hat er anzügliche Bemerkungen gemacht oder durchscheinen lassen, dass er sich umbringen würde, wenn ich seine Gefühle nicht erwidere. Einmal hat er mich aufgefangen, als ich gestolpert war. Dann hat er mich auf meine Zehenspitzen hochgehoben und so an meinen Armen festgehalten. Sehr fest und sehr lange."

Ellie, die aufgrund einiger Bestimmungen im Mietvertrag nicht einfach ausziehen konnte, schloss sich in ihrem Zimmer ein. Als auch das nichts am Verhalten ihres Stalkers änderte, wandte sie sich an ihre Universität: "Sie haben mit ihm gesprochen und dann entschieden, dass ich die ganze Sache einfach in den falschen Hals bekommen habe. Sie meinten zu mir, dass ich definitiv nicht zur Polizei gehen könne, solange er mich nicht vergewaltigt."

Ohne die Unterstützung ihrer Universität verschlimmerte sich Ellies Angst. Ein paar Monate, bevor sie endlich auszog, verfasste sie einen Abschiedsbrief an ihre Familie für den Fall, dass ihr Mitbewohner sie umbringt. Den Brief versteckte sie.

"Ich habe definitiv eine posttraumatische Belastungsstörung", sagt sie. Eine Psychiaterin hatte Ellie bestätigt, dass ihre Symptome mit der Störung übereinstimmten, eine offizielle Diagnose hat sie allerdings nicht. "Ich zog mich zurück, versteckte mich in meinem Zimmer sogar vor engen Freunden. Ich hatte Angst, war wütend, mir ging es einfach furchtbar. Ich schämte mich dafür, dass ich ihn nicht davon abhalten konnte, mich so zu fühlen. Bis heute habe ich Albträume."

Menschen, die unter einer posttraumatischen Belastungsstörung – oder kurz: PTBS – leiden, können Flashbacks erleben, Intrusionen, Angespanntheit, Angst und überwältigende Gefühle von Trauer, Schuld, Wut oder Scham. Der Wohltätigkeitsorganisation MIND zufolge, die sich für Menschen mit psychischen Problemen einsetzt, kann die Störung durch ein Ereignis ausgelöst werden, das der oder die Betroffene als lebensbedrohlich wahrnimmt. Eine repräsentative Stichprobe unter US-Amerikanerinnen fand heraus, dass diejenigen, die Stalking durch einen aktuellen Partner erfahren haben, auch wahrscheinlicher PTBS-Symptome erleben.

Für Ellie und Carly hat das Stalking auf jeden Fall gereicht, um PTBS-ähnliche Störungen hervorzurufen. Damit stellt sich die Frage, warum die Folgen des Stalkings nicht Teil einer größeren öffentlichen Debatte sind.

"Stalking trägt zu PTBS-Symptomen bei, mehr als andere Formen zwischenmenschlicher Gewalt", bestätigt der Psychiater Paul M. G. Emmelkamp. Er hatte 2001 in einer Studie anhand von 201 betroffenen Frauen den Einfluss von Stalking auf die Opfer untersucht. Sein Fazit: Betroffene erleiden "in hohem Maße" psychische Krankheiten und posttraumatische Stresssymptome.

"Etwa zehn Prozent aller von Stalking Betroffenen haben ein hohes PTBS-Risiko", sagt Emmelkamp. "Stalking führt eine erhebliche Zahl von Opfern in die Störung. Viele erleben Symptome immer wieder und leiden unter suizidalen Gedanken."

"Ich wünschte, die Leute hätten mir zugehört und meine Angst verstanden."

Emmelkamps Studie ist eine der wenigen geförderten Forschungsarbeiten über die psychischen Auswirkungen des Stalkings. Eine andere Untersuchung, 2015 von der University of Bedfordshire veröffentlicht, hat das von den Opfern wahrgenommene Trauma analysiert. Die Forschenden kamen zu dem Ergebnis, dass es "größtenteils vergleichbar" mit den Symptomen einer PTBS sei. Betroffene leiden mit hoher Wahrscheinlichkeit unter "Isolation, Reizbarkeit und Schuldgefühlen". Diese psychologischen Reaktionen erleben Menschen, die Stalking Off- und Online erfahren haben.

"Die Prävalenz von PTBS nach Erfahrungen des Cyberstalkings ist vergleichbar mit anderen besonders traumatischen Ereignissen wie sexuellen Übergriffen und Kampfeinsätzen", schreibt Emma Short, eine Autorin der Studie. "Vielmehr noch ist klar, dass die Reaktionen der Opfer negativen Natur sind und Furcht, Depressionen, Stress, Angst, vermindertes Selbstwertgefühl und einen Vertrauensverlust in andere Menschen beinhalten."

Die Verarbeitung des Traumas ist oft nur über eine Psychotherapie möglich und bis man einen Platz bekommt, kann es dauern. "Ich hatte mehrere Sitzungen kognitiver Verhaltenstherapie und es hat mir sehr viel geholfen – auch wenn es sich vielleicht nicht so anfühlt", sagt Ellie.

Auch wenn die Therapie Ellies Symptome gelindert und sie weniger anfällig für bestimmte Auslöser gemacht hat, ist ihre Behandlung noch nicht abgeschlossen. Momentan befindet sie sich auf einem Warteplatz. "Ich glaube, es wird ein bisschen länger dauern, die Auswirkungen von einem ganzen Jahr Stalking zu verarbeiten, aber ich weiß, dass es irgendwann getan werden kann. Das hoffe ich zumindest."

Bis die Auswirkungen des Stalkings besser untersucht sind und vor allem ernster genommen werden, wird sich allerdings wenig ändern. Opfer sehen sich immer noch einem, wie es Laura Richards von Paladin nennt, "Zermürbungskrieg" durch ihre Stalker ausgesetzt, ungläubigen Polizeikräften und medizinischem Personal, dem es an entsprechender Schulung fehlt.

Sechs Jahre später hat Ellie immer noch Probleme mit sozialen Interaktionen. "Ich kann nicht lange unter Fremden sein. In Küchen oder draußen bekomme ich Panikattacken – besonders, wenn ich das Gefühl habe, dass mir jemand mehr Aufmerksamkeit als normal schenkt. Oder wenn ich jemanden sehe, der mich an ihn erinnert."

Gerade am Anfang ist gute Hilfe unerlässlich. "Ich wünschte, Menschen hätten mir zugehört und meine Angst verstanden. Ich wünschte, es hätte ein vernünftiges Hilfsnetzwerk gegeben. Und ich wünschte, man hätte mir nicht das Gefühl gegeben, ich würde aus einer Mücke einen Elefanten machen", sagt Ellie.

*Um die Sicherheit und Privatsphäre der Betroffenen zu schützen, wurden alle Namen geändert.

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<![CDATA[Wie eine indische WhatsApp-Gruppe gegen Jungfräulichkeits-Tests ankämpft]]>https://broadly.vice.com/de/article/vbayd8/wie-eine-indische-whatsapp-gruppe-gegen-jungfraulichkeits-tests-ankampftThu, 06 Dec 2018 09:45:52 +0000Priyanka Tamaichikar ist die Schreie der frisch verheirateten Frauen am Morgen nach der Hochzeitsnacht schon gewöhnt. Innerhalb des indischen Kanjarbhat-Stamms weiß jeder, warum die Bräute zusammengeschlagen werden: Die Frauen haben den Jungfräulichkeitstest nicht bestanden – das Laken ist nicht blutverschmiert, sondern weiterhin weiß. Jetzt will Tamaichikar zusammen mit fast 40 anderen Mitgliedern der Kanjarbhat-Community der 400 Jahre alten Tradition ein Ende bereiten. Dafür tauschen sie sich regelmäßig in einer WhatsApp-Gruppe namens "Stop the V-Ritual" aus.

"In der Gruppe konnte ich mich zum ersten Mal vor Mitgliedern meiner Community gegen die Jungfräulichkeitstests aussprechen", sagt Tamaichikar. Die 27-jährige Immobilienmaklerin sei schon immer gegen das Ritual gewesen. Sie gesteht aber auch ein, dass es noch nie gern gesehen wurde, den Test in Frage zu stellen. Durch das Ritual sollen Kanjarbhat-Frauen davon abgehalten werden, vor der Ehe und außerhalb ihrer Kaste Sex zu haben. Der Großteil der rund 200.000 Mitglieder des Kanjarbhat-Stamms lebt heute im indischen Bundesstaat Maharashtra. Jungfräulichkeitstests sind dort immer noch gang und gäbe.

Bei dem Test begleiten einige Verwandte das frisch verheirate Paar in ein Hotelzimmer. Dort wird die Braut von weiblichen Verwandten entkleidet, die sicherstellen, dass sie keinen Gegenstand bei sich trägt, mit dem sie eine Blutung verursachen kann. Der Bräutigam bekommt dann ein weißes Tuch gereicht, auf das die Braut während des Geschlechtsverkehrs bluten muss. Die Mutter des Bräutigams nimmt das blutverschmierte Tuch dann als Beweis dafür entgegen, dass die Braut vor der Ehe noch Jungfrau war – und damit "Charakter" bewiesen hat.


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"Wenn es beim Sex nicht richtig klappen will, soll sich das Ehepaar Pornos anschauen. Es gab auch schon Fälle, in denen andere Ehepaare aus der Familie demonstriert haben, wie man Sex hat", erzählt die 28-jährige Vivek Tamaichikar, Priyankas Cousine und Gründerin von Stop the V-Ritual. "Die Privatsphäre und die Würde der Frauen werden dabei mit Füßen getreten." Vivek ist eine der ersten Frauen, die sich geweigert haben, den Test zu machen, obwohl sie innerhalb der Kanjarbhat-Community geheiratet hat.

Es sind aber nicht nur junge Frauen mit Studium und Beruf, die sich gegen die Tradition auflehnen. Auch die 56-jährige Leelabai Bambiyasing Indrekar ist ein enthusiastisches Mitglied der WhatsApp-Gruppe. Sie wurde im Alter von zwölf Jahren verheiratet, mittlerweile ist sie geschieden.

"Man muss nicht gebildet sein, um sich über das Ritual aufregen zu können", sagt die Großmutter zweier Enkel. Auch sie musste den Test damals über sich ergehen lassen und kritisiert ihn jetzt scharf: "Das Ganze ist wie eine Zirkusvorstellung, bei der nur die Männer unterhalten werden."

Damit bezieht sich Indrekar auf den Morgen nach dem Test. Das Ehepaar kommt öffentlich mit den Stammesführern der Kanjarbhats zusammen, auch andere Mitglieder der Community sind anwesend. Dann fragt einer der Stammesführer den Bräutigam in einem alten Dialekt, ob die Braut noch "ungebraucht" oder schon "benutzt" gewesen sei.

"Wie kann man eine Frau nur so zu einem Objekt machen?", fragt Indrekar. "Frauen werden in unserer Community vollkommen degradiert. Warum fragt niemand die Männer, ob sie noch Jungfrauen sind? Heutzutage geben wir Frauen uns nicht mehr einfach so zufrieden", fügt sie wütend hinzu. "Wir sind gleichgestellt!"

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<![CDATA[Geschlechterkrampf: Diese Fotografin spielt mit den Identitäten ihrer Tinder-Dates]]>https://broadly.vice.com/de/article/439yaq/geschlechterkrampf-fotografin-marie-hyld-spielt-mit-den-identitaeten-ihrer-tinder-datesTue, 04 Dec 2018 09:34:13 +0000Anfang des Jahres hat die dänische Fotografin Marie Hyld an einem Workshop zum Thema "Feminine Reinigung" teilgenommen. Dabei versuchten sie und die anderen Frauen, die Barriere zwischen ihren "femininen und maskulinen Energien" einzureißen. Dafür tanzten, schrien und schwitzten sie alle um die Wette. Sie umkreisten ein imaginäres Lagerfeuer, warfen ihre symbolischen Masken des Alltags in die Flammen und sahen dabei zu, wie ihre festgefahrene Selbstwahrnehmung zu Asche wurde.

"In allen Menschen – ganz egal welches Geschlecht – fließt sowohl maskuline als auch feminine Energie. Darauf basierend arbeiteten wir als Gruppe zusammen, um die Grenze zwischen diesen Energien flexibler zu machen", erklärt Hyld. "Da in dem Workshop nur Frauen waren, hieß das vor allem: die maskuline Seite in uns entdecken."

Durch den Workshop fühlte sich Hyld wie befreit von den ungeschriebenen Gesetzen, wie sie sich als Frau zu verhalten habe. Und sie kam auf die Idee für ihre aktuelle Fotoserie Tortuous. "Mir wurde plötzlich klar, dass ich die ganze Zeit nur das getan habe, was andere Menschen meiner Meinung nach von mir erwarteten", erzählt die Fotografin. Sie entschied sich dazu, diese Einsicht mithilfe ihrer Kamera noch weiter zu erforschen.

Genauso wie bei ihrer letzten Bildreihe Lifeconstruction suchte und fand Hyld die Models für ihr neuestes Projekt bei Tinder. Dieses Mal ging sie zu den jungen Frauen und Männern nach Hause und fotografierte sie zuerst ganz normal und authentisch. Danach folgten aber Porträts, in denen die Models plötzlich feminin beziehungsweise maskulin wirken. "Ich musste zuerst eine Art Karikatur erschaffen, in der ich mich maskuliner und femininer Stereotypen bediene, um diese dann zu zerstören", erklärt die Fotografin. Uns haben die Models erzählt, was sie über die Bilder denken und wie das Shooting ablief.

To billeder af Mads: et, hvor han sidder på en seng og ser vred ud, et, hvor han sidder svøbt i et tæppe og græder

Mads

"Ich finde es faszinierend, wie die gesellschaftlichen Strukturen auf uns einwirken. Ich spiele seit meinem vierten Lebensjahr Fußball, gerade in diesem Umfeld wird jede Abweichung vom vermeintlich Männlichen als falsch angesehen. Im Team herrscht ein richtige Macho-Kultur, in der niemand aus der Reihe fallen will. 'Schwul' gilt da als Schimpfwort. Alle, die da nicht dem klassisch maskulinen Bild entsprechen, versuchen, sich so gut wie möglich anzupassen. Und das aus guten Grund: Wer will schon Angst haben oder sich schämen?

Ich persönlich werde in meinen Gedanken immer freier und offener. Ich habe nicht mehr so viel Angst wie früher. Das alles ist Teil meiner Weiterentwicklung. Ich habe eine differenziertere Seite von mir entdeckt, bei der die maskulinen und femininen Energien besser ineinander übergehen.

Zum Glück entwickeln wir uns als Gesellschaft in eine Richtung, in der es immer mehr Raum für Vielfältigkeit gibt. Angekommen sind wir aber noch lange nicht. Deswegen habe ich an Maries Projekt teilgenommen. Ich will zeigen, dass es ganz normal ist, anders zu sein. Das sollen nicht nur all die Menschen erfahren, die sich 'falsch' fühlen, sondern auch die Menschen, die nicht von ihren Vorurteilen ablassen können."

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<![CDATA[So hilfst du Menschen, die sich in einer gewalttätigen Beziehung befinden]]>https://broadly.vice.com/de/article/a3mepe/so-hilfst-du-menschen-die-sich-in-einer-gewalttaetigen-beziehung-befinden-haeusliche-gewaltThu, 29 Nov 2018 09:11:52 +00002016 registrierte das Bundeskriminalamt in Deutschland knapp 109.000 Fälle von häuslicher Gewalt. Eine erschreckend hohe Zahl. Leider ist es oft nicht leicht, einer Freundin zu helfen, die sich in einer gewalttätigen Beziehung befindet. Vielleicht hält sie dich auf Distanz, ignoriert deine Anrufe, sagt Treffen ohne Vorwarnung ab oder versucht ganz allgemein, dich wegzustoßen. In solchen Situationen ist es wichtig, dass du dich daran zurückerinnerst, warum ihr euch damals überhaupt angefreundet habt. Konzentriere dich auf ihre positiven Eigenschaften und nicht auf das aktuelle Verhalten. Wenn sich jemand in einer gewalttätigen Beziehung befindet, geht es nämlich nur noch ums Überleben.

Die 26-jährige Meera Dalal aus Großbritannien stand ihren Freundinnen immer sehr nahe. Zusammen veranstalteten sie Pyjama-Partys, gingen feiern oder unternahmen Wochenend-Trips in verschiedene europäische Großstädte. Sie brachte ihrer besten Freundin Dixita Tank bei, wie man sich mit einem Fön eine Lockenfrisur zaubert. Als der Vater ihrer anderen Freundin, Shriya Parmar, im Krankenhaus lag, schaute Dalal jeden Tag bei Parmar zu Hause vorbei und kümmerte sich um sie.

Als Dalal dann aber mit einem gewalttätigen Mann zusammenkam, litten darunter auch ihre Freundschaften. Sie sagte plötzlich Verabredungen ab, zog sich zurück oder verbrachte ganze Abende damit, ihrem Partner zu schreiben. "Wir entfernten uns voneinander", erzählt Parmar.

Zwar schaffte es Dalal, die gewalttätige Beziehung zu beenden, aber ihr Ex-Freund begann, sie zu stalken und ohne Vorwarnung bei ihr aufzutauchen. In den letzten Tagen vor ihrem Tod machte die junge Frau einen depressiven und verschlossenen Eindruck. Zwar suchten ihre Freundinnen weiterhin den Kontakt, eine Antwort bekamen sie aber nur noch selten. Am 15. Februar 2016 starb Dalal durch Suizid. "Man rechnet nie damit, dass jemand so weit geht", sagt Tank. "Seither nehmen wir es viel ernster, wenn eine Freundin jetzt auch nur ein wenig durch den Wind wirkt."

Gewalttätige Partnerinnen und Partner neigen dazu, ihre Opfer von deren Bekannten, Verwandten und Kolleginnen und Kollegen zu isolieren. So haben sie es leichter, ihre Opfer zu kontrollieren und zu manipulieren. Deswegen ist es wichtig, gewisse Anzeichen so früh wie möglich zu erkennen und etwas zu unternehmen. Laura Richards von der Anti-Stalking-Organisation Paladin erklärt, wie man das am besten anstellt.

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<![CDATA[Video: In diesem Fat Camp geht es nicht ums Abnehmen, sondern um Selbstliebe]]>https://broadly.vice.com/de/article/439vqj/in-diesem-fat-camp-geht-es-nicht-ums-abnehmen-spass-selbstliebe-videoMon, 26 Nov 2018 09:18:55 +0000Wenn man den Begriff "Fat Camp" hört, sieht man sofort schweißtreibende Sportübungen und kalorienarmes Essen vor sich. Beim Fat Camp in Henderson im US-Bundesstaat North Carolina läuft das Ganze etwas anders.

Annette Richmond hat mit ihrem Fat Camp einen Ort für dicke Menschen geschaffen, an dem es nicht ums Abnehmen geht. Stattdessen stehen dort Übungen zur Selbstakzeptanz und spaßige Outdoor-Aktivitäten auf dem Programm. "Im Fat Camp haben die Teilnehmer und Teilnehmerinnen das Sagen", erklärt Richmond.

Wir haben Frauen begleitet, die bei der ersten Ausgabe des Fat Camps dabei waren. Sie erzählen uns auch, wie sie sich durch die Außenwahrnehmung ihrer Körper selbst sehen. "Langsam akzeptiere ich das Wort 'dick'", sagt Alyssa Gully, eine junge Fat-Camp-Teilnehmerin aus Kentucky. "Natürlich trifft es einen erstmal, aber ich sage mir dann immer, dass das kein negativer Begriff ist."

Viele der Teilnehmerinnen sind im Fat Camp zum ersten Mal überhaupt von anderen Frauen umgeben, mit denen sie sich in Sachen Körperbau und Gewicht identifizieren können. "In meinem Alltag bin ich immer nur mit dünneren Frauen unterwegs. Sie sind wunderschön. Deswegen fühle ich mich in ihrer Gegenwart richtig unwohl", sagt die Teilnehmerin Josie De Anda. Alle Frauen im Camp hätten ähnliche Erfahrungen gemacht, durch den Austausch könnten sie ihre Körper hier erstmals positiv wahrnehmen, sagt De Anda.

Im Fat Camp erzählen die Frauen von den Dingen, die sie wegen ihres Gewichts schon durchmachen mussten. "Mir war es vollkommen egal, ob ich krank wurde. Ich wollte einfach nur dünn sein", sagt die Camp-Sprecherin Liz Black. De Anda erzählt, wie es war, mit einer dünnen Schwester aufzuwachsen, die ihre Persönlichkeit mal als "schlank" bezeichnete.

Im Laufe des Wochenendes stehen Stehpaddeln, Schwimmen oder Yoga auf dem Tagesplan – alles Dinge, die dicke Menschen Richmond zufolge als unangenehm empfinden können, wenn sie sie vor schlanken Leuten machen. "Im Beisein von körperlich ähnlichen Menschen fühlt man sich viel schneller wohl und fasst den Mut, Dinge auszuprobieren, die man vorher wohl nie ausprobiert hätte", erklärt die Camp-Organisatorin.

An einem der Abende versammeln sich alle Teilnehmerinnen außerdem um ein Lagerfeuer und schreiben all die negativen Dinge auf, die sie sich aufgrund ihrer Figur immer wieder einreden. Anschließend verbrennen sie die Zettel.

"Dieses Wochenende hat mir gezeigt, wie mutig ich sein kann", sagt De Anda am Ende des Fat Camps. "Ich glaube, ich würde meinem 12-jährigen Ich jetzt sagen, dass ich stark und wertvoll bin – und dass es vollkommen OK ist, mehr Platz einzunehmen."

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<![CDATA["Ich habe deine Adresse": Eine Influencerin erzählt von ihren schlimmsten Stalkern ]]>https://broadly.vice.com/de/article/j5zeb4/ich-habe-deine-adresse-eine-influencerin-erzahlt-von-ihren-schlimmsten-stalkernThu, 22 Nov 2018 07:00:00 +0000 Andreea Bolbea, auch als Andreea Cristina bekannt, ist Instagram-Influencerin mit über 1,2 Millionen Followern. Sie betreibt den Blog Simply Andreea , auf dem sie Lifestyle- und Beauty-Tipps gibt. Seit sie in der Öffentlichkeit steht, wurde Bolbea mehrfach gestalkt und belästigt.

Ich hätte niemals gedacht, dass ich einmal in der Öffentlichkeit stehen würde. Selbst heute fühle ich mich nicht wohl damit, wenn ich einen Raum betrete und Leute mich anstarren. Ich wollte eigentlich nie unbedingt berühmt werden – es passierte einfach, als ich meine Begeisterung für Beauty-Produkte online teilte.

Die ersten wirklich gemeinen Kommentare bekam ich, als ich jemanden gedatet habe, der quasi über Nacht sehr bekannt wurde. Ich musste sogar mein Instagram-Konto deaktivieren. Damals formierte sich eine Followerschaft, die ich nie wollte: Wildfremde Leute taten so, als ob sie mich kannten, als ob sie wüssten, wie ich drauf war und welche Moralvorstellungen ich hatte.

Ich brauchte sehr lange, um diese Erfahrung zu verkraften und zu erkennen, dass diese Leute mich nur fertigmachen wollten. Das kann ich bis heute nicht verstehen: Warum möchtest du, dass sich jemand schlecht fühlt, den du gar nicht kennst? Das war die schlimmste Phase meines Lebens. Die ganze Welt hatte ein völlig falsches Bild von mir, so fühlte es sich damals zumindest an.

Es gab diesen einen Stalker, Bill, der irgendwie jede E-Mail-Adresse fand, die ich je benutzt hatte. [Bills Name wurde aus juristischen Gründen geändert.] Er fand sogar meine E-Mail-Adresse, die ich im College verwendet hatte, und die Wegwerfadresse, auf die ich vor allem Spam-Mails bekam. Ich bekam Angst und beschloss, seine Mails zu ignorieren, doch je länger ich sie ignorierte, desto wütender wurden seine Nachrichten. Schließlich fing er an, mich zu bedrohen. Wenn du in bestimmten Bundesstaaten in den USA wohnst, kann jeder deine Adresse nachschlagen. Und genau das tat er. "Ich habe deine Adresse gefunden", schrieb er mir. "Wenn du glaubst, dass du mich einfach ignorieren kannst, dann komme ich dich besuchen."


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Diese Drohung machte er tatsächlich wahr. Er flog in meine Stadt, mietete sich einen Monat lang in einem Hotel ein und hinterließ Päckchen und Briefe vor meiner Tür. Er wusste nicht, dass meine Eltern damals in meinem Haus wohnten – ich war nicht einmal zu Hause. Meine Mutter schickte mir eine Nachricht: "Hey, jemand hat einen Brief für dich auf die Veranda gelegt."

Ich fand das seltsam, also bat ich sie, mir ein Foto von dem Brief zu schicken. Dort stand "von Bill" – und ich geriet in Panik. Ich hatte Angst um meine Mutter. Sich um die eigene Sicherheit zu sorgen, ist eine Sache, um die wichtigsten Personen in deinem Leben Angst zu haben, ist etwas ganz anderes. Letztendlich musste ich einen Privatdetektiv engagieren, der versuchen sollte, ihm eine einstweilige Verfügung auszuhändigen, aber er war nicht mehr auffindbar.

Mein aktueller Stalker schreibt mir jeden Tag. Ich habe ihn blockiert, damit ich seine Nachrichten nicht mehr sehe, aber er findet immer neue Wege, mich zu kontaktieren, sogar über LinkedIn. Allem Anschein nach ist er auf eine Betrügerin reingefallen, die sich als mich ausgibt, und er glaubt, dass er mit dieser Person eine Beziehung führt. Er schickt mir immer wieder E-Mails: "Wann hört das auf? Du fragst ständig nach Geld."

Es ist absolut surreal: Er glaubt, dass er mit mir zusammen ist, obwohl öffentlich bekannt ist, dass ich verheiratet bin. Kürzlich postete ich, dass ich mich tätowieren lasse. "Ich kann nicht glauben, dass du mich nicht vorher gefragt hast. Wie kannst du es wagen!", schrieb er mir daraufhin. "Du hast dir doch gerade erst das andere Tattoo am Arm weglasern lassen." Es macht mir Angst, wie viel er über mein Leben weiß.

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<![CDATA[Dominanz im Bett ist mehr, als Kontrolle über jemanden auszuüben]]>https://broadly.vice.com/de/article/a3mgxk/dominanz-im-bett-ist-mehr-als-kontrolle-ueber-jemanden-auszuuebenTue, 20 Nov 2018 10:07:56 +0000Ich habe mich selbst nie als sexuell dominante Frau gesehen. Ich bevorzuge es, wenn mir jemand anderes sagt, was ich tun soll. Bis mich meine Freundin Midori, Autorin von Wild Side Sex, ermutigte, ihren Workshop ForteFemme in San Francisco zu besuchen, in dem sie Frauen ein Wochenende lang in weiblicher Dominanz coacht. Durch den Workshop wollte ich mich in erster Linie professionell als Sex-Coach weiterentwickeln. Letztendlich erlebte ich jedoch viele persönliche Aha-Momente und lernte ganz neue Möglichkeiten kennen, über meine Bedürfnisse nachzudenken. Hier kommen die wichtigsten Dinge, die ich bei dem Workshop gelernt habe:

Was bedeutet es überhaupt, im Bett dominant zu sein?

In Filmen und Pornos werden größtenteils sadistische "Tops" und unterwürfige, masochistische "Bottoms" gezeigt. Dabei gibt es in dieser Konstellation noch so viele intime Facetten zu entdecken.

Wenn wir von Dominanz sprechen, meinen wir den Wunsch, Kontrolle zu haben. Das kann bedeuten, dass du darüber bestimmst, wie du stimuliert wirst, oder darüber entscheidest, wie du deine Partnerin oder deinen Partner stimulieren willst. Es kann auch sein, dass dir der Kontrollaspekt egal ist und es dir nur darum geht, ob du stimulierst oder stimuliert wirst – und umgekehrt. Wenn du beiden Gebieten völlig neutral gegenüber stehst, dann praktizierst du das, was gemeinhin als "Vanilla" bezeichnet wird. Und obwohl der Begriff oft herablassend verwendet wird, haben selbst die Menschen mit dem größten Kink manchmal Lust auf ein bisschen Vanille.

So erkennst du, ob der devote Part Spaß hat

Am Morgen des ersten Workshop-Tages wollte Midori von uns wissen, an welchen körperlichen Signalen eine andere Person erkennen könne, dass wir erregt sind. Diese Signale können schließlich sehr unterschiedlich ausfallen: Es gibt Menschen, die lachen, wenn sie angespannt sind und sich unwohl fühlen. Andere weinen, wenn sie glücklich sind. Umso wichtiger ist es, diese Signale richtig deuten zu können, wenn du als dominanter Part Kontrolle über eine andere Person ausübst. Schließlich willst du nicht nur deine, sondern auch ihre Bedürfnisse befriedigen.

Die Übung fiel uns allen nicht leicht und machte eins ganz deutlich: Unsere Körper kommunizieren ständig. Wenn wir über Einvernehmlichkeit sprechen, konzentrieren wir uns oft nur auf Worte und reden nicht über die subtileren Hinweise unserer Körpersprache. Mir wurde klar, dass ich die Anzeichen meines eigenen Partners gar nicht kannte – schließlich ist nicht mal eine Erektion ein sicheres Zeichen, dass jemand sexuell erregt ist.

So verstehst du deine eigenen sexuellen Bedürfnisse

Für die nächste Übung sollten wir daran denken, was wir als Kinder besonders gern gespielt haben. Das Ziel: Unseren sexuellen Bedürfnissen auf die Schliche zu kommen. Ich brauchte eine Weile, mich durch meine Kindheitserinnerung zu wühlen. Dann fiel mir allerdings ein, dass ich am liebsten Geburtstagsfeiern für mein liebstes Kuscheltier veranstaltet habe. "Du wünschst dir Aufmerksamkeit und Bewunderung!", rief eine andere Teilnehmerin des Workshops sofort.

Sie hatte völlig recht. Ich finde es lustig, dass es mir so schwer fiel, etwas zu erkennen, was für eine Fremde völlig offensichtlich war. Andere erzählten von ihren Fantasien, sich um andere zu kümmern oder Menschengruppen zu kontrollieren, und wir übersetzten diese Fantasieren in mögliche Rollenspiele.

Ich war beeindruckt, wie präzise Midori die grundlegenden Elemente von sexueller Begierde definieren konnte – und uns dabei half, unsere eigenen Bedürfnisse in jeder Situation in Worte zu fassen (denn ja, die Bedürfnisse verändern sich!).

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<![CDATA[Lil' Kim wird auch 22 Jahre nach dem Release von 'Hard Core' von allen kopiert]]>https://broadly.vice.com/de/article/gy7gww/lil-kim-wird-22-jahre-nach-dem-release-von-hard-core-kopiert-beyonce-kim-kardashian-rihannaThu, 15 Nov 2018 09:53:51 +0000Die späten 1990er Jahre waren der Höhepunkt des Hip-Hop. Musiklabel gaben Millionen für Videos, Welttourneen und Merchandise aus, um das Image ihrer Künstler und deren dekadenten Lifestyle zu pflegen. Einer der bedeutendsten Rapper dieser Zeit war Notorious B.I.G. In der Rap-Crew des ehemaligen Drogendealers, der Junior MAFIA, befand sich allerdings ein weiterer Superstar: Lil' Kim, die es mit ihren 1,50 Meter locker mit jedem Typen aufnehmen konnte. Sie war wortgewandt, unglaublich erotisch und extrem selbstbewusst – und prägt mit ihrem Vermächtnis auch heute noch, wie wir selbstbestimmte Frauen wahrnehmen.

Lange bevor Kylie Jenner Gewinn aus ihrem Lipliner-Look schlug und die Kardashians Neon-Perücken für sich entdeckten, bevor Lady Gaga und Nicki Minaj versuchten, sich mit gewagten Fashion-Statements zu übertreffen, bevor Cardi B in der ersten Reihe einer Fashion-Show alle Augen auf sich lenkte und bevor Rihanna die Beauty-Welt dominierte, hatte Lil' Kim es ihnen bereits vorgelebt. Mit ihrem Debütalbum Hard Core, das 1996 erschien, ebnete sie den Weg für unsere heutigen Idole.

Lil' Kim war 22, als Hard Core erschien, das größtenteils von Sean "Puffy" Combs produziert wurde. Die Singles "Crush on You", "Not Tonight" und "No Time" waren sexuell aufgeladene Songs, die von Selbstbestimmung, Luxusgütern und heißem Sex handelten. Männer waren für die Rapperin keine Beziehungspartner, die sie anbetete. Sie waren nur ein weiterer Weg, um an Geld zu kommen. Das Album beginnt mit einer sehr expliziten Szene, in der ein Mann zu einem Lil-Kim-Porno masturbiert. Im anschließenden Song "Big Momma Thing", thematisiert Kim, wie sie zu ihrer eigenen Sexualität gefunden hat. "I used to be scared of the dick, now I throw lips to the shit, handle it like a real bitch", rappt sie im ersten Vers und setzt damit den Ton für ihr Debütalbum, das sexuelle Selbstbestimmung in den Vordergrund stellt.

Doch es waren nicht nur Kims Texte, die für Aufmerksamkeit sorgten. Auch ihre Outfits, die Diamantenketten, Pelzmäntel und Designerschuhe, zogen alle Blicke auf sich. Mithilfe von jungen Fashion-Talenten wie Misa Hylton und Eugene Davis setzte sich die New Yorkerin perfekt in Szene. Vor allem in Video zu "Crush on You" wird die brillante Zusammenarbeit des Trios deutlich, das mit seinen vier verschiedenen Farbmotiven zu einem von Lil' Kims berühmtesten Videos wurde. Knallige Perücken, neonfarbene Pelzmäntel und Designer-Logos sind heute allesamt wieder angesagt und diesen Trend können wir direkt auf Queen Bs erste Erfolge zurückführen.


Dieses Jahr ließ sich Minaj für die Promo von "Chun-Li" in Jacke und String mit dem Fendi-Logo ablichten, Logo-Prints gehörten allerdings schon in den 90ern zu Lil' Kims Repertoire. Sie war dafür bekannt, von Kopf bis Fuß in Chanel, Louis Vuitton oder Fendi aufzutreten – manchmal zierte das Logo von Versace oder Chanel sogar ihre bunten Perücken. Diesem Look zollte Beyoncé 2017 mit ihrem Halloween-Kostüm Tribut. Besonders berühmt ist das Foto von David Lachapelle, auf dem Lil' Kims nackter Körper mit Louis-Vuitton-Logos bemalt ist. Während Logomania durch die Kardashians und Hadids dieser Welt wieder in den Fokus rückt, kann man gar nicht anders, als an Queen Bs ikonischen Look zu denken.

Lil' Kims Outfits aus "Crush on You" finden sich nicht nur in Beyoncés Halloween-Kostüm, sondern auch in Rihannas Performance von "BBHMM" im Jahr 2015 wieder. Zuletzt rockte Cardi B ein von Lil' Kim inspiriertes Outfit in Pardison Fontaines Song "Backing It Up", das stark an Kims Look im Video von 1997 erinnert.

Die Tatsache, dass Lil' Kims wildeste Outfits heute noch kopiert werden, ist ein Beweis für ihren riesigen Einfluss. Vor allem das lilafarbene Ensemble, das Misa Hylton für Kims Auftritt bei den MTV Music Awards 1999 entwarf, inspiriert Designer und Celebrities bis heute. Das französische Modelabel YSL schickte in seiner Frühjahrskollektion 2015 ein schwarzes asymmetrisches Lederkleid auf den Laufsteg und Nicki Minaj präsentierte 2017 einen ähnlichen Look bei der Haider Ackermann Womenswear Show in Paris.


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Im August 2017 präsentierte das CR Fashion Book eine Fotoserie, die ganz im Stil von 1999 gehalten ist und unter anderem Kim Kardashian mit pinker Perücke, pinkem Bikini, pinken Stiefeln und Pelzmantel zeigt – inspiriert von dem Outfit, das Lil' Kim 1999 zu einer Ausstellung im Met trug. Das V Magazine zeigte Rihanna 2015 auf seinem Cover mit platinblonder Perücke und dunkel umrandeten Lippen, ganz im Stil von Lil' Kim. Rihanna nannte die Queen des Hip-Hops sogar als eine ihrer Fashion-Vorbilder: "Es gibt viele Supermodels aus den 90ern die ich liebe und die mich inspirieren – aber Lil' Kim hatte einfach so viele verschiedene Looks."

Egal, ob sie als Inspiration für eine Fotostrecke im Hochglanzmagazin, ein Musikvideo, oder als Vorlage für die Halloween-Kostüme für Miley Cyrus oder Beyoncée dient: Lil' Kims Einfluss auf die Modeszene lässt sich nicht abstreiten. Der Sexappeal, den sie durch ihre Musik und ihr Auftreten verkörpert, macht sie zu einer kulturellen Vorreiterin, die in unzähligen Fashion-Shows, in einem VH1 Hip Hop Honors Tribut und mit einer eigenen MAC Beauty-Reihe geehrt wurde. Lil' Kim kämpfte sich in High Heels durch die männerdominiert Hip-Hop-Szene der 90er, damit die Musikerinnen von heute in ihren Fußstapfen folgen können.

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<![CDATA[Ich habe bei meiner Beauty-Routine eine Woche lang auf Plastik verzichtet]]>https://broadly.vice.com/de/article/gy7xnj/eine-woche-lang-kein-make-up-mit-plastik-beauty-aussehen-experimentTue, 13 Nov 2018 09:30:20 +0000Ich bin der Beauty-Industrie wirklich zutiefst dankbar. Ohne sie würde ich hassen, wie ich aussehe. Ich weiß, was ihr jetzt denkt: Eigentlich sind Kosmetik-Unternehmen überhaupt erst der Auslöser für meinen Selbsthass und ich müsste mich nur endlich von den aufgezwungenen Schönheitsstandards unserer Gesellschaft lösen. Aber das stimmt in meinem Fall nicht. Ich finde mich ohne Make-up einfach hässlich. Punkt.

Unter meinen Augen befinden sich lila Halbmonde und meine Kopfhaut schuppt bei Stress. Meine Augenpartie sieht nur dann gut aus, wenn ich sie mit Eyeliner und Lidschatten bearbeite. Puder hilft gegen meine fettige Haut. Ich benutze immer starkes Deodorant, weil ich große Angst davor habe, dass ich stinke und andere Leute deswegen über mich tuscheln. Wenn ich ohne Make-up aus dem Haus gehe, betonen meine Freunde entweder, wie gut ich aussehe (definitiv eine Lüge), oder sie vermeiden Augenkontakt. Männer, die laut eigener Aussage einen "natürlichen Look" bevorzugen, verursachen bei mir Brechreiz.

Neuerdings beschleicht mich bei meiner Beauty-Routine jedoch ein schlechtes Gewissen. Vor Kurzem habe ich Urlaub in Kambodscha gemacht und dort mit eigenen Augen gesehen, wie sehr die Kosmetikindustrie der Umwelt schadet. Leere Shampooflaschen und Zahnpastatuben schwimmen dort im Meer herum und in den ländlichen Gegenden türmen sich am Straßenrand Plastikberge auf.


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Schuld sind wir Konsumenten. Laut der gemeinnützigen Umweltorganisation Green Alliance werden jährlich um die 12,2 Tonnen Plastikmüll in die Ozeane gespült. Ein Beispiel dafür sind Mikroperlen in Peeling-Produkten, die der Tierwelt schaden und oftmals in der menschlichen Nahrungskette enden. In den USA und in Großbritannien ist solches Mikroplastik bereits verboten, inzwischen fordern viele ein EU-weites Verbot. Wissenschaftliche Untersuchungen haben zudem ergeben, dass nur 50 Prozent der Produkte, die wir regelmäßig im Badezimmer benutzen, auch recycelt werden.

Immerhin: Es verändert sich etwas. "Vor allem jüngere Konsumenten und Konsumentinnen werden sich ihrem ökologischen Einfluss immer mehr bewusst. Das Gleiche erwarten sie dann auch von Beauty-Unternehmen", sagt Andrew McDougall vom Marktforschungsunternehmen Mintel. McDougall zufolge achten 47 Prozent der Käufer und Käuferinnen inzwischen darauf, nur noch natürliche und biologische Beauty-Produkte in ihren Einkaufskorb zu legen – weil die besser für die Umwelt sind. "Konsumenten und Konsumentinnen denken mehr über ihren Plastikverbrauch nach. Das führt dazu, dass die Hersteller von Kosmetikartikeln ihren Einsatz von Plastik und Plastikverpackungen ebenfalls überdenken", so McDougall weiter.

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<![CDATA[Wie 'Trainspotting' mein Leben verändert hat]]>https://broadly.vice.com/de/article/ev7gpj/wie-trainspotting-mein-leben-veraendert-hatThu, 08 Nov 2018 10:49:40 +0000Ich erinnere mich noch genau, wie ich die Videokassette von Trainspotting – Neue Helden in den klobigen Fernseher mit integriertem Videorekorder schob. Ich war damals ungefähr 13 Jahre alt und ein Film über ein paar schottische Heroinabhängige vielleicht nicht gerade für mein Alter angemessen. Doch Danny Boyles Verfilmung des gleichnamigen Romans von Irvine Welsh sollte mein Leben nachhaltig verändern. Ich sah den Streifen unzählige Male und kann noch heute ganze Dialoge auswendig – in der russischen Synchronisation, das schottische Original noch als Echo im Hintergrund hörbar.

Trainspotting bescherte mir meinen ersten großen Schwarm: Mark Renton (Ewan McGregor), der gutaussehende Junkie in zu engen T-Shirts und ausgewaschenen Skinny-Jeans. Der schlaksige Typ mit den blauen Augen war offensichtlich ein hoffnungsloser Fall, aber er hatte Stil, er hatte Charisma und er faszinierte mich. Ich hatte noch nie jemanden wie ihn getroffen.

Vor allem Rentons Grinsen hatte es mir angetan. In der ersten Szene des Films rennt Renton durch die Straßen Edinburghs, sein bester Freund Spud (Ewen Bremner) an seiner Seite. Renton stößt mit einem Auto zusammen, stützt sich auf der Motorhaube ab und bricht in manisches Gelächter aus, das deutlich macht, wie scheißegal ihm alles ist. Mein jugendliches Herz schlug im Einklang mit dem Beat von Iggy Pops "Lust for Life", der das berühmte "Sag Ja zum Leben"-Intro des Films unterlegt: "Sag Ja zum Leben … Sag Ja zum Job … Sag Ja zur Karriere … Sag Ja zur Familie."

Trainspotting beschreibt das Leben einer handvoll desillusionierter, drogenabhängiger Jugendlicher inmitten einer sozio-ökonomischen Krise. Die Geschichte ist düster, aber sehr nachvollziehbar für ein russisches Mädchen wie mich, das nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in Sankt Petersburg aufwuchs. Ich war schüchtern und verbrachte die meiste Zeit in der Wohnung. Die Welt, die ich in Trainspotting sah, kam mir bekannt vor. Wenn du in den 90er Jahren in Russland lebtest, wirkten die heruntergekommenen schottischen Gassen nicht besonders hässlich: Die meisten meiner Freundinnen und Freunde lebten irgendwann in sozialen Wohnprojekten und wurden Zeuge davon, wie sich Gewalt und Drogenmissbrauch in der post-sowjetischen Krise zum Alltag wurden. Im Vergleich dazu hatte ich eine behütete Kindheit, doch die Dunkelheit lauerte hinter jeder Ecke. Deswegen fühlte ich mich auch so zu Filmen hingezogen, die diese Düsterheit transportierten.

Meine Lieblingsszene von Trainspotting ist das erste Zusammentreffen von Renton und Diane (Kelly Macdonald) im Volcano Club. Im Hintergrund läuft "Atomic" von Blondie, Diane trägt ein glitzerndes rosafarbenes Kleid, Renton ein verwaschenes gelbes T-Shirt, das ein bisschen zu kurz und ein bisschen zu eng ist. Auf Rentons plumpen Anmachversuche reagiert Diane mit einem denkwürdigen Monolog. "Sag mal, klappt die Tour eigentlich auch sonst?", fragt sie. "Oder lass mich mal raten: Du hast’s noch nie gemacht, denn eigentlich bist du gar nicht der Typ, Mädchen anzubaggern, stimmt’s? In Wahrheit bist du son ruhiger, empfindlicher Typ, und wenn ich bereit bin, wirklich auf dich einzugehen, könnt’ ich unter Umständen dein wahres Ich kennenlernen: witzig, abenteuerlustig, leidenschaftlich, zärtlich, ein bißchen crazy, ein bisschen böse. Wow! Wir Girlies finden sowas einfach staaaark, ja?"


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Ich schaute mir die Szene unzählige Male an und fragte mich, ob ich jemals ein romantisches Erlebnis haben würde, das an das erste Treffen von Renton und Diane herankommt. Leider war das nie der Fall: Meine Romanzen waren weit weniger aufregend. Als junge Frau kämpfte ich gegen den Druck, dem weiblichen Stereotyp entsprechen zu müssen. Die meisten russischen Frauen investieren sehr viel Arbeit in ihr Aussehen und geben sich extrem feminin. Viele tragen auch zur Arbeit hohe Absätze und volles Abend-Makeup. Diese extremen Schöheitsideale fand ich befremdlich. Mit meinem Undercut und alternativem Stil passte ich einfach nicht zu den Erwartungen, die an eine typische russische Frau gestellt werden. Darum fühlte ich mich sexuell oft unsichtbar.

Da ich weit und breit keinen Typen wie den jungen Ewan McGregor finden konnte, ließen meine Freundinnen und ich uns selbst von den Männern in Trainspotting inspirieren. Wir trugen Doc Martens, waren laut und versoffen das Wochenende in Bars. Wir rauchten Zigaretten und flirteten mit Typen in verwaschenen T-Shirts und Skinny-Jeans, die Renton zumindest ein bisschen ähnlich sahen. Wir konnten uns mit den männlichen Charakteren im Film identifizieren, weil es in Trainspotting auch um die toxischen Erwartungen geht, die die Gesellschaft an Männer stellt. Der Film gibt Einblicke in die schottische Arbeiterklasse, in der Geschlechterrollen so festgefahren sind, dass sich Männer nur in Fußball-Allegorien mit ihren besten Freunden austauschen können. Ich wusste, wie lähmend und erdrückend sich das anfühlte und meine Freundinnen wussten es auch.

Eine meiner Freundinnen identifizierte sich so sehr mit Begbie – die anarchistische, extrem gewalttätige Figur, die von Robert Carlyle gespielt wird –, dass sie einmal erwischt wurde, wie sie ein Messer in den Club schmuggeln wollte. Unsere Logik damals: Wenn wir uns wie die Männer in Trainspotting verhielten, könnten wir vielleicht auch etwas von dem Erwartungsdruck loswerden, perfekte russische Frauen sein zu müssen.

Schwärmereien sind oft flüchtig, wenn du jung bist, aber meine Obsession mit Renton hat mich für immer verändert. Sie lehrte mich, dass Liebe und Anziehungskraft nicht immer eindeutig sein müssen und dass es immer Raum für tiefsinnige nächtliche Gespräche vor dem Club gibt. Auch an meiner Schwäche für den schottischen Akzent ist Renton schuld. Das Wichtigste war aber: Durch Renton lernte ich, dass du dir immer deine eigene Rolle schaffen kannst, abseits der Stereotype, die dir jemand aufzwingen will.

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