Illustration by Nicole Ginelli

Diese Cannabis-Vaginalzäpfchen können bei Regelschmerzen helfen

Vor Kurzem hat der „Weed-Gleitgel"-Hersteller Foria ein neues Produkt vorgestellt: Foria Relief, ein Vaginalzäpfchen, das gegen Periodenkrämpfe hilft. Wir haben es getestet.

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16 März 2016, 3:16pm

Illustration by Nicole Ginelli

Wann immer ich Krämpfe kriege, beschwere ich mich. Wenn mein Mann mich fragt, wie sich Menstruationskrämpfe anfühlen, dann sage ich immer Folgendes: „Etwa 20 Sekunden lang fühlt es sich an, als würden zwei Hände deinen Uterus auswringen wie einen nassen Waschlappen. Als würden sie wirklich versuchen, das ganze Wasser mit einem Mal rauszuquetschen. Dann hört es für 15 Sekunden auf. Das ist super, aber dann fängt es wieder an. Und das geht dann stundenlang so."

„Brutal", antwortet er.

„Ich stelle mir das als unsere Version von einem Tritt in die Nüsse vor. Mit dem Unterschied, dass ein Tritt in die Nüsse ein fieses, kurzes Schmerzerlebnis ist, während Periodenkrämpfe ein langanhaltender, irritierender Schmerz sind, wie eine Mischung aus Wasserfolter und dem Stechen eines Steißbeintattoos."

„Diese Dinge sind beide furchtbar."

Die meisten Frauen haben irgendwann im Laufe ihres Lebens Unterleibskrämpfe, manche davon schlimmer als andere. Wir haben alle eine Freundin, die sich nicht einmal bewegen kann, wenn sie ihre Tage kriegt—sie schreibt allen, die in letzter Zeit medizinische Eingriffe hatten, weil sie auf etwas Stärkeres als Ibuprofen hofft. Ich hatte nie schmerzhafte Perioden, bis ich mir vor ein paar Jahren eine Spirale einsetzen lassen habe, und die zwei bis drei Tage intensiver Krämpfe sehe ich als den Preis dafür, wie praktisch diese Verhütungsmethode ist. Ich schätze, Krämpfe sind einfach ein Teil des Gesamtpakets, wenn man einen gebärfähigen Körper hat.

Aber es muss doch etwas geben, das Abhilfe schafft. Seit in Kalifornien, Colorado und Washington Marihuana entkriminalisiert wurde, werden Cannabis-Produkte mehr wie Lippenstifte denn wie böse, gefährliche Drogen vermarktet. Dann ist da noch die Tatsache, dass Marihuana als Medizin unglaublich vielseitig ist und körperliche sowie psychische Probleme lindern kann. Kein Wunder also, dass Gras auch im Bereich der weiblichen Gesundheit inzwischen in aller Munde ist. Unter den bekanntesten Herstellern ist Foria, eine Marke aus Kalifornien, die sich auf ein THC-angereichertes Gleitmittel spezialisiert hat, das weibliches Lustempfinden erhöhen soll. (Das Produkt heißt „Foria Pleasure", was auf Englisch klingt wie „Für deine Lust" .) Seit dieses Produkt im Frühling 2014 auf den Markt kam, ist Foria als die „Gras-Gleitgel"-Firma bekannt. Der Gründer Mathew Gerson freute sich, dass die Öffentlichkeit gut auf die Vorstellung ansprach, THC für ein gesünderes Sexleben einzusetzen.

Die viele Aufmerksamkeit, die Foria zuteil wurde, machte auch einige Experten neugierig, darunter die Urologin Dr. Jennifer Berman aus Beverly Hills. Die Ärztin, die für ihre Rolle in der preisgekrönten TV-Serie The Doctors bekannt ist, hörte von Foria durch eine 75-jährige Patientin, die entschlossen hatte, ihr unbefriedigendes Sexleben zu verbessern. Sie erzählte Dr. Berman von diesem neuen „Gras-Gleitmittel", von dem sie in einem Magazin gelesen hatte. Es hieß, das Mittel würde Frauen und vor allem Frauen jenseits der Wechseljahre helfen, Orgasmen zu haben und Lust zu empfinden. Dr. Berman recherchierte daraufhin, denn sie fragte sich, ob Cannabis gegen Entzündungen und Schmerzen im Beckenbereich helfen könnte. Sie kontaktierte Gerson und gemeinsam besprachen sie neue Ideen.

Die einst illegale Pflanze gegen Regelkrämpfe einzusetzen, ergab einfach Sinn. „Wenn eine Frau Regelkrämpfe hat, dann zieht sich die Gebärmutter zusammen", sagte mir Berman am Telefon. „Die Muskeln verkrampfen, was entzündungsfördernde Botenstoffe freisetzt, die Schmerzen verschlimmern. Cannabis schafft grundsätzlich eine Muskelentspannung, indem es die Durchblutung fördert und Muskelkontraktionen verringert. Bei stärkerer Durchblutung wird das Gewebe besser mit Sauerstoff versorgt, was wiederum Entzündungen hemmt und Schmerzen lindert."

Berman und Gerson entwickelten bald darauf das Konzept für ein neues Foria-Produkt: ein Vaginalzäpfen gegen Regelschmerzen namens Foria Relief.

„Sehr viele Frauen haben uns kontaktiert und uns gesagt, wie viel Schmerzlinderung ihnen [das Spray] Foria Pleasure gebracht hat", sagte Gerson. „Nicht nur bei Menstruationskrämpfen, sondern auch bei Endometriose und Schmerzen im Beckenbereich."

Vor gut einem Jahr habe ich Gerson über das neue Gras-Gleitmittel interviewt, und damals war er sehr gespannt auf die Zusammenarbeit mit Dr. Berman. „Selbst wenn du vor dem Einführen ein bisschen Foria [Pleasure] auf die Spitze eines Tampons sprühst, kann das schon gegen Regelkrämpfe helfen", sagte er mir. (Ich habe diesen Trick probiert, und es schien ein bisschen zu helfen.) Doch er fügte hinzu, er arbeite an etwas Offiziellem und viel Stärkerem.

Sechs Monate später traf ein Päckchen von Foria bei mir ein: ein kleiner, weißer Behälter aus Blech mit dem Markennamen Foria in blauen Lettern, gekrönt von einem Cannabis-Blatt. Die Zutaten waren laut Aufdruck „240 MG THC + 40 MG CBD". In dieser kleinen Schatztruhe im Wert von 44 Dollar waren vier einzeln verpackte Vaginalzäpfchen, jedes etwa 2,5 Zentimeter lang, aus konzentrierter Bio-Kakaobutter. Das erste Cannabinoid, Tetrahydrocannabinol oder THC, blockiert Schmerzsignale und lässt dafür angenehme Impulse durch, während das zweite Cannabinoid, Cannabidiol oder CBD, entzündungshemmend auf das Immunsystem wirkt. In der Anleitung stand, man solle sich mit einem Kissen unter dem Po auf den Rücken legen und das Zäpfchen so weit wie möglich einführen, damit die Cannabinoide an den Nervenenden der Gebärmutter, des Gebärmutterhalses und der Unterleibsmuskeln wirken können.

„Wenn eine Medizin über die Schleimhaut der Vagina aufgenommen wird anstatt oral oder als äußerliche Behandlung, geht sie direkt in die Blutbahn", sagte Dr. Berman. Somit kann diese Medizin schneller wirken als andere Schmerzmittel. „Hier geht es nicht darum, ob Foria besser oder schlechter darin ist, Krämpfe zu lindern, als verschreibungspflichtige Medikamente gegen Krämpfe—außerdem ist Foria nicht von der [Behörde für Lebensmittelüberwachung und Arzneimittelzulassung] FDA zugelassen und wurde noch nicht klinisch an Frauen getestet. Es geht hier lediglich darum, dass Cannabis-Produkte bei der Muskelentspannung helfen, und die Gebärmutter ist ein Muskel."

Dr. Berman am Foria-Van in Los Angeles | Foto mit freundlicher Genehmigung von Mathew Gerson

Als meine Krämpfe eine Woche später losgingen, führte ich eine Relief ein und legte mich mit einem Kissen unterm Po hin, wie in der Anleitung beschrieben. Das Seltsame an dem ursprünglichen Spray-Produkt war, dass die Anwendung auf der Vulva keine der psychotropischen Wirkungen hat, die bei einer oralen Einnahme eintreten. (Gerson sagte mir allerdings, manche Leute hätten berichtet, sie hätten sich nach dem Einsatz von Foria Pleasure zum Analsex stoned gefühlt.) Dasselbe gilt für Foria Relief; ich habe das Vaginalzäpfchen etwa eine Stunde vor einem Interview eingesetzt, sicher in dem Vertrauen, dass nur meine Gebärmutter high und happy sein würde.

Innerhalb von 20 Minuten verschwanden meine Krämpfe völlig. Anders als andere „natürliche" neue Produkte wie „Detox-Perlen" aus Kräutern (welche die Gebärmutter „reinigen" sollen), besteht Foria aus nur drei Zutaten: Kakaobutter, THC und CBD. Diese Dinge nehme ich alle bereits seit Jahren ohne große Probleme zu mir. Ich war kein bisschen überrascht, wie gut das Zäpfchen wirkte. Was mich wirklich überraschte, war die lange Wirkdauer. Eine Schmerztablette verliert ihre Wirkung nach ungefähr einem halben Arbeitstag und meist nehme ich sechs Tabletten täglich, wenn ich meine Tage habe. Aber ein Foria-Zäpfchen erfüllte seine Aufgabe noch weit in meinen Feierabend hinein.

Wenn es um die Besserung der reproduktiven und sexuellen Gesundheit von Frauen geht, gibt es nicht gerade viele pharmazeutische Optionen. Foria Pleasure wurde innerhalb kurzer Zeit so beliebt, weil es das einzige Produkt war, das an Frauen mit geringer sexueller Befriedigung oder Libido vermarktet wurde. Es war vielleicht nicht von der Arzneimittelbehörde zugelassen, doch es existierte zumindest—außerdem hatte es ja Bio-Qualität und bestand aus einfachen Zutaten. Erst im August verkündete die FDA die Zulassung des ersten Medikaments, Addyi (Flibanserin), das eine „sexuelle Appetenzstörung" (auf gut Deutsch auch Unlust genannt) bei Frauen vor den Wechseljahren behandeln soll. Die Pressemitteilung liest sich wie eine amerikanische Fernsehwerbung für ein Medikament: Erst wird die Wirkung für ein bestimmtes Problem gepriesen, dann kommt eine ellenlange Liste möglicher Nebenwirkungen. Daher galt die Einführung des Medikaments weithin als gefloppt. Foria Pleasure verspricht hingegen allgemeines Wohlbefinden, Gesundheit und Spaß am Sex, anstatt sich auf eine bestimmte Krankheit zu beziehen und diese dann mit einer Pille aus der Welt schaffen zu wollen.

Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr Sinn ergab es einfach, Gebärmütter mit Cannabinoiden zu entspannen.

„Es ist grundsätzlich schwierig, eine Zulassung für Medikamente für Frauen zu bekommen—das ist seit Jahrzehnten eine Herausforderung", erklärte Dr. Berman. „Die Zulassung von Medikamenten für Frauen hängt der von Männern extrem hinterher. Die Gründe haben nicht zwingend etwas mit Diskriminierung zu tun, aber es wird bei Frauen einfach sehr genau aufgepasst, aufgrund der reproduktiven Gesundheit und Fragen der Sicherheit."

Diese Vorsicht kann Fortschritte in Forschung, Entwicklung und Behandlung aufhalten. Ein weiteres Hindernis ist, dass sexuelles Lustempfinden keine Frage von Leben oder Tod ist, sondern eher etwas mit Lebensqualität zu tun hat. Dagegen gibt es jedoch das verbreitete Argument, dass das Mittel gegen Erektionsstörungen Viagra bereits in den frühen 1990ern von der FDA zugelassen wurde, Behandlungsmethoden für weibliche Sexualstörungen jedoch auf Widerstand und Skepsis stoßen.

„Es gibt zahlreiche Studien, die Erektionsstörungen mit Herzkrankheiten und Diabetes Typ 2 in Verbindung bringen", sagte Dr. Berman. „Weibliche Probleme, die mit sexueller Befriedigung und Lust zu tun haben, werden nicht auf dieselbe Weise zur Kenntnis genommen wie die Probleme, die mit Erektionsstörungen zusammenhängen, weil die Forschung erst noch zeigen muss, dass Probleme mit sexueller Erregung auch bei Frauen mit medizinischen Problemen zusammenhängen."

Foria mag ursprünglich entstanden sein, um den weiblichen Orgasmus zu verstärken, doch inzwischen ist daraus etwas Größeres geworden. Ich habe die Gras-Enthusiasten immer als Drogen pushende Hippies gesehen, die zu bekifftwaren, um noch etwas anderes zu erzählen, als dass Cannabis fantastische Heilkräfte hat. Doch Berman ist kein Hippie, und Gerson auch nicht. Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr Sinn ergab es einfach, Gebärmütter mit Cannabinoiden zu entspannen. Abgesehen davon tut das meinem Körper auf lange Sicht ganz sicher besser als Valium, eine Wärmflasche und lautes Wimmern.