91 Wege, wie du als weiße Person das Leben für People of Color leichter machst

Nein, es gibt keinen strukturellen Rassismus gegen Weiße in Deutschland. Nachdem wir das geklärt haben: Jetzt dürft ihr weiterlesen.

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Apr. 27 2018, 6:00am

Foto: Godisable Jacob | Pexels | CC0

Ich habe sehr wenig Toleranz für rassistische Kackscheiße. Deswegen umgebe ich mich nur mit weißen Menschen, die sich ihrer Privilegien bewusst sind. Die sich bemühen, die Welt zu einem weniger frustrierenden und gefährlichen Ort für People of Color zu machen. Oft fragen diese weißen Menschen mich, was sie konkret tun können. Falls du auch so eine Rat suchende Person bist: Diese Liste ist für dich. (Auch wenn sie keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.)

1. Nur weil du keinen Rassismus siehst, heißt das nicht, dass gerade keiner stattfindet.

2. Geh nicht davon aus, dass alle People of Color dieselbe Weltsicht haben. Wir sind keine homogene Masse.

3. Mutmaße nicht über die Ethnie oder Abstammung einer anderen Person. Für uns ist das kein witziges Spiel.

4. Wenn jemand sagt, er oder sie komme aus Uganda, dann sag nicht: "Ich war mal in Nigeria!" Bitte.

5. Apropos: Bezeichne Afrika nicht als Land. Es ist ein Kontinent mit sehr vielen verschiedenen Ländern. Ich weiß, das muss man erst mal sacken lassen.

6. Wenn du braungebrannt aus dem Urlaub kommst, dann will garantiert keine Person of Color hören: "Hey, ich bin ja fast so dunkel geworden wie du!" Wirklich nicht.

7. Geh nicht davon aus, dass eine Person of Color alles über das Land weiß, aus dem ihre Familie stammt. Kennst du die gesamte deutsche Geschichte und Kultur? Eben.

8. Nicht alle schwarzen Menschen können gut sprinten, nicht alle asiatischen Menschen sind gut in Mathe, und nicht alle hispanischen Menschen haben ein "feuriges Temperament".

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9. Sieh uns stattdessen als eigenständige Individuen, nicht als Vertreter einer Bevölkerungsgruppe.

10. Mach keine peinlichen Witze, die zeigen sollen, wie cool du mit People of Color bist. Wir werden nicht mit dir, sondern über dich lachen.

11. Hör auf, unsere kulturell spezifischen Memes zu recyceln. Lach lieber weiter über den "White Blinking Guy".

12. Vermeide Sätze wie: "Aber ich kann nicht rassistisch sein, ich hab schwarze Freunde!" Wir wissen beide, dass das Quatsch ist.

13. Wenn du durchgehend darüber lästerst, wie schlimm weiße Menschen sind – dann bist du wahrscheinlich gerade so ein schlimmer weißer Mensch.

14. Spar dir Sätze wie: "Ich weiß, wie es ist, wegen meines Aussehens diskriminiert zu werden – ich bin rothaarig!"

15. Stell nicht infrage, ob jemand mit relativ heller Haut "wirklich schwarz" ist. Andere schwarze Menschen können sicherstellen, dass diese Person sich darüber im Klaren ist, dass sie gegenüber Menschen mit dunklerer Haut Vorteile hat.

16. Versuche nie, einer Person of Color zu sagen, was rassistisch ist und was nicht.

17. Wenn du online Beispiele für Rassismus findest, schick sie uns bitte nicht. Danke, aber wir wissen, dass es Rassismus gibt.

18. Verstehe, dass manche Tage für People of Color anstrengender sind als andere, je nach Weltlage können uns die Nachrichten sehr belasten. Wir wollen in Ruhe trauern können, ohne dass uns ständig jemand nach unsere Meinung zu den jüngsten Verbrechen fragt.

19. Wenn wir aber trotzdem etwas darüber sagen, dann hör zu.


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20. Teile Artikel, die People of Color über ihre alltäglichen Erfahrungen schreiben – gerade solche, die von Rassismus handeln.

21. Sei aber bitte nicht diese Person, die ständig demonstrieren muss, wie woke sie ist, und die dadurch ein regelrechter Speichellecker wird. Tu Dinge einfach mit Bedacht.

22. Lies Bücher von People of Color. Um die Lebenssituation schwarzer Menschen zu verstehen, empfehle ich Sister Outsider von Audre Lorde, The New Jim Crow von Michelle Alexander und absolut alles von Junot Diaz.

23. Sieh dir Serien an, die von People of Color gemacht wurden – zum Beispiel Atlanta oder Insecure.

24. Werde kritischer, was deinen Medienkonsum angeht. Wie werden in diesem Film oder dieser Serie People of Color dargestellt? Welchem Zweck dient diese Darstellung?

25. Wenn du in eine Kunstgalerie gehst, achte darauf, wie viele Werke von People of Color sind. Wenn es keine oder nur wenige sind, dann schreibe eine Mail oder sprich die Kuratoren an. Weiße Menschen sollten kein Monopol auf Kunst haben.

26. Wenn eine Romanfigur, die du dir weiß vorgestellt hast, in der Verfilmung von einer Person of Color gespielt wird: Komm damit klar. Weiße Menschen sind nicht die weltweite Norm.

27. Unterstütze Theaterstücke, die von People of Color geschrieben und aufgeführt werden. Die Theaterwelt ist extrem weiß.

28. Weigere dich, in Clubs, zu Drag-Shows oder auf Burlesque-Nächte zu gehen, in denen Cultural Appropriation betrieben wird.

29. Wenn du Kinder hast, dann kauf ihnen auch Puppen, die nicht weiß sind, und Bücher mit Figuren, die nicht weiß sind.

30. Unterstütze Crowdfunding-Kampagnen für kulturelle Werke von People of Color, wenn du es dir leisten kannst.

31. Spende Geld an Projekte in deiner Umgebung, die von People of Color geleitet werden.

32. Unterstütze kleine Unternehmen und Geschäfte von People of Color.

33. Sei niemals überrascht, "wie gut" People of Color Deutsch oder eine andere Landessprache sprechen.

34. Aber hab auch bitte Geduld, wenn unser Deutsch nicht perfekt ist. Wie viele Sprachen sprichst du fließend und fehlerfrei?

35. Geh insgesamt bitte nicht davon aus, dass wir gern weiß wären oder uns "assimilieren" wollen.

36. Sieh ein, dass man Menschen ihre Religion nicht ansieht. Nicht alle Menschen aus Südasien oder Nahost sind Muslime, nicht alle Schwarzen sind Christen und nicht alle aus Ostasien sind Buddhisten.

37. Denk dran: Nicht alle People of Color sind heterosexuell.

38. Geh nicht davon aus, dass People of Color zwangsläufig mehr homophobe Vorurteile haben als weiße Menschen.

38. Menschen können zum Beispiel schwarz sein, und gleichzeitig eine Behinderung haben, und gleichzeitig aus der oberen Mittelschicht stammen. Unterdrückung, Diskriminierung und Privilegien balancieren sich nicht gegenseitig aus.

40. Wenn wir über Diskriminierung aufgrund der jeweiligen Hautfarbe sprechen, dann geht es nicht nur um Männer! Frauen können zusätzlich zu Sexismus auch von Rassismus betroffen sein.

41. Frag schwarze Frauen nicht, ob das unser "echtes Haar" ist. Und verurteile schwarze Frauen nicht dafür, wenn sie Perücken oder Weaves tragen oder ihre Haare glätten.

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42. Fass uns nicht ins Haar. Vor allem nicht ungefragt.

43. Wenn du eine schwarze Freundin hast, dann tust du ihr einen riesigen Gefallen, wenn du deine Dusche mit einem ordentlichen Conditioner bestückst. Diese 2-in-1-Shampoos sind die absolute Hölle.

44. Versuch niemals einfach so ein "Rassen-Rollenspiel" im Schlafzimmer. Im Ernst, what the fuck.

45. Verabschiede dich ganz allgemein von Vorurteilen. Zum Beispiel dem, dass ostasiatische Frauen von Natur aus unterwürfig wären. People of Color sind Menschen, keine Karikaturen.

46. Wenn du eine Frau jemals als "exotisch" bezeichnet hast, hast du es verdient, dir ein Jahr lang jeden Tag den großen Zeh anzustoßen. Lass. das. sein.

47. Du kommst auch ohne Umschweife in die Hölle, wenn du gerade versuchst, bei jemandem zu landen, und dieser Person mitteilst: "Voll spannend. Ich hatte noch nie was mit einer schwarzen/asiatischen/indigenen Person."

48. Wenn du Menschen derart fetischisierst, halte dich einfach insgesamt von People of Color fern.

49. Kinder mit einer Person of Color zu bekommen, ist weder ein Heilmittel für Rassismus, noch eine Entschuldigung, deine komischen Rassefantasien auszuleben.

50. Wenn es dein ausdrückliches Ziel ist, "gemischte" Kinder in die Welt zu setzen, solltest du dich mal hinsetzen und ganz tief in dich gehen.

51. Wenn du Kinder mit einer Person of Color hast, dann sorge dafür, dass sie mit Menschen zu tun haben, die aussehen wie sie und die ihre Erfahrungen verstehen.

52. Bilde dir nicht ein, dass du unmöglich rassistisch sein kannst, nur weil dein Partner, deine Partnerin oder deine Kinder nicht weiß sind. Du bist nicht die eine große Ausnahme. Wenn überhaupt schuldest du es deinen Liebsten noch mehr, dass du dein Verhalten und deine Denkweise hinterfragst.

53. Mach den Mund auf, wenn deine Verwandten beim Abendessen oder in den sozialen Medien etwas Rassistisches sagen.

54. Konfrontiere Kolleginnen und Kollegen, die auf der Arbeit rassistische Aussagen tätigen.

55. Schau dir deinen Arbeitgeber allgemein genauer an: Sind die einzigen People of Color Reinigungskräfte oder Assistenten? Was kannst du tun, um das zu ändern? (Die Antwort lautet so gut wie nie "gar nichts".)

56. Wenn jemand dich bittet, eine Rolle oder ein Amt zu bekleiden, für die eine Person of Color sich besser eignen würde, dann schlage eine geeignete Person vor und verzichte selbst auf den Posten.


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57. Mach uns in der Arbeit nicht zum Quotenmenschen, der sich um alle Diversity-Belange kümmern soll. Und wenn schon sollten wir für diese Erziehungsarbeit auch einen Gehaltszuschlag kriegen.

58. Weigere dich, bei einer Diskussionsrunde zu sprechen, die nicht divers besetzt ist. Egal, um welches Thema es geht.

59. Wenn in deinem Seminar nur ein paar People of Color sitzen und die Dozentin oder der Dozent etwas zum Thema Rassismus sagt, dann starre nicht diese paar Menschen an und erwarte, dass sie jetzt auf alles eine Antwort liefern.

60. Solltest du selbst einen Lehrplan zusammenstellen, achte darauf, dass Werke von People of Color, vor allem von Frauen, auf der Leseliste stehen. Und zwar nicht nur in Veranstaltungen, in denen es um Rassismus geht.

61. Gib People of Color die Möglichkeit, Werke zu schaffen, die von ihren Erfahrungen in einer rassistischen Gesellschaft handeln. (Und bezahle sie dafür.)

62. Gib People of Color die Möglichkeit, Werke zu schaffen, die nichts mit Rassismus zu tun haben. (Und bezahle sie dafür.)

63. Sag nicht Sachen wie "Jede Geschichte hat zwei Seiten", wenn es um Rassismus geht.

64. Manchmal ist es das Beste, einfach nur zuzuhören.

65. Hör auf mit Pseudo-Bedenken wie: "Aber was ist mit der weißen Arbeiterschicht?!" Hast du schon mal an die Bedürfnisse der nicht-weißen Arbeiterschicht gedacht?

66. Wähle keine rassistischen Politikerinnen und Politiker. Eigentlich sollte das klar sein, manche Menschen scheinen aber immer wieder daran erinnert werden zu müssen.

67. Gib stattdessen denen deine Stimme, die für ein Programm einstehen, von dem nicht nur Weiße profitieren.

68. Bedenke, dass dein Status als weiße Person gegen People of Color eingesetzt werden kann und wehre dich dagegen. Rechte Aktionen wie #120db wollen Frauen nicht vor sexualisierter Gewalt und Übergriffen schützen – sie wollen Stimmung gegen Migranten machen.

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69. Setze dein Privileg als weiße Person ein, um dich bei Demos zwischen die Polizei und People of Color zu stellen. Du hast ein geringeres Risiko, Opfer von Polizeigewalt zu werden.

70. Filme Interaktionen mit der Polizei, wenn du das Gefühl hast, dass sie jemanden nur wegen seiner Hautfarbe kontrolliert.

71. Sprich dich gegen rassistische Vorurteile gegenüber Musliminnen und Muslimen aus, egal wo du ihnen begegnest.

72. Du hast ein Problem mit "Black Lives Matter"? Frag dich mal, warum du so ein Problem damit hast, dass wir für unsere Menschenrechte einstehen.

73. Hör zu, wenn eine schwarze Person dir sagt, dass sie eine Situation unangenehm findet. Du hast doch den Film Get Out gesehen, oder?

74. Wenn du den Film Get Out noch nicht gesehen hast, dann sieh ihn dir an. Stell dir dabei vor, dass dieser Horror alltäglich und real ist.

75. Überlege, ob du mit zweierlei Maß misst, was Drogen angeht. Feierst du weiße Cannabis-Unternehmer, die tonnenweise Geld scheffeln, aber hältst es für richtig, dass schwarze Menschen wegen ein bisschen THC im Blut in den Knast müssen?

76. Mach dir keine Dreadlocks, wenn du nicht schwarz bist. Höchstwahrscheinlich eignet sich diese Frisur ohnehin nicht für deine Haarstruktur. Es gibt genug andere Frisuren.

77. Vergleiche die Ausbeutung von Tieren nicht mit Rassismus.

78. Ich kann nicht fassen, dass ich das 2018 schreiben muss, aber: Trage kein Blackface.

79. Denk nicht einmal im Traum daran, das N-Wort zu benutzen. Selbst wenn du allein bist. Selbst wenn du Rap hörst. Selbst wenn du allein bist und Rap hörst.

80. Streiche auch alle anderen rassistischen Beleidigungen, wie "Z***euner", "K**ake" oder "F*dschi", aus deinem Wortschatz. Selbst wenn du jemanden zitierst oder einen Text vorliest.

81. Darunter fällt auch das Wort "farbig". Wir sagen "Person of Color", und "color" ist Englisch für "Farbe", aber das ist trotzdem kein Synonym.

82. Sieh ein, dass viele westliche Länder ihren Wohlstand auf dem Land und mit den Ressourcen von indigenen Menschen und People of Color aufgebaut haben.

83. Denk darüber nach, wie Rassismus sich auswirkt, selbst wenn keine People of Color anwesend sind. Wir vom Rassismus Betroffenen müssen darüber auch jeden Tag und in jeder Situation nachdenken.

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84. Vergiss nicht, dass es keine Eigenschaft gibt, die dein weißes Privileg verschwinden lässt. Nicht deine Homosexualität, dein weibliches Geschlecht, dein Status als Transperson, deine Herkunft aus der Arbeiterschicht und auch nicht deine Behinderung.

85. Versuche dafür zu sorgen, dass deine feministische Arbeit allen Frauen etwas bringt, statt dich einfach als "intersektionell" zu bezeichnen. Taten statt Worte.

86. Hör auf so zu tun, als könntest du nachvollziehen, wie sich Rassismus anfühlt. Das kannst du nicht. Deswegen sollst du ja zuhören, wenn es darum geht.

87. Begreife, dass kein Aspekt deines Lebens von deiner weißen Hautfarbe unberührt bleibt. Jede Schwierigkeit, die du im Leben hattest, wäre größer gewesen, wenn du nicht weiß wärst.

88. Sei dankbar, wenn dich jemand auf rassistisches Verhalten aufmerksam macht. Es bringt nichts, in die Defensive zu gehen.

89. Du hast Schuldgefühle? Lass sie hinter dir, sie bringen niemandem etwas. Versuch einfach, Dinge in Zukunft besser zu machen.

90. Sieh ein, dass es beim Kampf gegen den Rassismus nicht um dich geht. Es geht nicht um deine Gefühle, sondern darum, People of Color von einer Gesellschaftsordnung zu befreien, die ihnen strukturell schadet.

91. Und vergiss nicht: Andere Menschen unterstützen ist eine Tätigkeit, kein Status. Du kannst dich nicht einfach als "Verbündete" oder "Verbündeter" bezeichnen und dann bist du das auch. Das ist eine Bezeichnung, die man sich jeden Tag aufs Neue verdient, indem man etwas tut.

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